Heilbronner Polizistenmord Abgang des Phantomjägers

Zweieinhalb Jahre lang leitete Frank Huber die Ermittlungen im Fall der erschossenen Polizistin Michéle Kiesewetter, Wattestäbchen-Panne inklusive. Jetzt hat sich der Beamte an eine Hochschule versetzen lassen - und lehrt dort Kriminaltechnik.

Kriminalrat Frank Huber: "Nur noch wenige Spuren offen"
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Kriminalrat Frank Huber: "Nur noch wenige Spuren offen"

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Stuttgart - "Wir werden sie kriegen. Irgendwann muss ihre irre Glückssträhne einfach abreißen", sagte der Kriminalrat Frank Huber im März 2009 SPIEGEL ONLINE - und meinte die vermeintliche Polizistenmörderin, das sogenannte Phantom von Heilbronn. Wer so viele Straftaten begehe, fliege früher oder später auf, da sei er sich ganz sicher. "Es ist nur eine Frage der Zeit", versprach der Leiter der "Sonderkommission Parkplatz".

Er irrte.

Wenige Tage später flog dem damals 41-jährigen Kriminalrat der Fall um die Ohren, als endgültig klar wurde: Die Polizei jagte seit Jahren DNA-Spuren nach, die sie zuvor selbst mit verunreinigten Wattestäbchen an die Tatorte gebracht hatte. Das Spurensicherungsmaterial war schon beim Hersteller versehentlich kontaminiert worden. Die Blamage der Beamten war groß und die Schlagzeilen zumeist hämisch, doch Huber hielt durch.

Jetzt zieht der Kriminalist einen Schlussstrich. Der Beamte wechselt zweieinhalb Jahre nach dem Mord an der Polizistin Michéle Kiesewetter in Heilbronn "auf eigenen Wunsch" an die baden-württembergische Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. Huber wird dort als Dozent im Bereich Kriminaltechnik arbeiten - ausgerechnet.

"Ich gehe mit gutem Gewissen"

"Ich kann dort sicherlich auch Erfahrungen aus meiner Soko-Zeit in Heilbronn einbringen", sagte Huber dem SPIEGEL. "Ich gehe mit einem guten Gewissen. Es sind in dem Fall nur noch wenige Spuren offen." Die Versetzung Hubers sei keine Reaktion auf die Wattestäbchen-Panne, versicherte unterdessen das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart.

Es sei der ausdrückliche Wunsch des "jungen Kriminalrats Huber" gewesen, nach zweieinhalb Jahren als Soko-Leiter "einmal etwas anderes zu machen", sagte ein LKA-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Hubers Nachfolger ist seit dem 1. Oktober Kriminalrat Josef Schäffer, 59, bislang Inspektionsleiter für Organisierte Kriminalität.

Die Polizei war jahrelang in mehreren Bundesländern den DNA-Spuren einer vermeintlichen Serientäterin nachgegangen, die sich als Phantom entpuppt hatte. Die DNA wurde an insgesamt 40 Tatorten gefunden.

Die älteste Spur stammte aus dem Mai 1993, als eine Rentnerin in Idar-Oberstein ermordet worden war. Dasselbe DNA-Muster wurde später an dem Streifenwagen der Heilbronner Polizisten gefunden, auf die mindestens zwei Täter am 25. April 2007 geschossen hatten. Dabei starb die 22-jährige Polizeimeisterin Kiesewetter, ihr 24-jähriger Kollege Martin A. wurde schwer verletzt.

Laut LKA gibt es in dem Mordfall keine neuen Spuren.

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