Heilbronner Polizistenmord Ermittler vermuten Waffenbeschaffung als Tatmotiv

Die Polizistin Michèle Kiesewetter musste 2007 sterben, weil Zwickauer Neonazis ihre Dienstwaffe haben wollten. Das vermutet das Bundeskriminalamt laut "Süddeutscher Zeitung". Die Behörde geht demnach nicht mehr von einer Beziehungstat aus.
Beerdigung von Michèle Kiesewetter (Mai 2007): Ging es den Mördern um ihre Waffe?

Beerdigung von Michèle Kiesewetter (Mai 2007): Ging es den Mördern um ihre Waffe?

Foto: dapd

Berlin - Im Fall des Heilbronner Polizistenmordes geht das Bundeskriminalamt (BKA) davon aus, dass Zwickauer Neonazis die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen, um an deren Dienstwaffe zu gelangen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe.

Die Ermittler stützen ihre Vermutung dem Bericht zufolge auf die Auswertung einer Festplatte, die in Zwickau gefunden wurde. Darauf sei eine Datei mit der Bezeichnung "Polizeipistole" zu sehen gewesen - ein Bild von Kiesewetters Dienstwaffe. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle, deren Leichen Anfang November in einem Wohnmobil in Eisenach gefunden wurden, gelten als Mörder Kiesewetters. Sie hatten sich zu der Tat auf einer DVD bekannt. Beide Männer seien Waffennarren gewesen, so die "SZ". Deshalb gebe es nun die Vermutung, sie hätten die Polizistin umgebracht, um sich die Dienstpistole zu beschaffen.

Keine Hinweise auf gezielten Anschlag

Die Ermittler schließen nun der Zeitung zufolge endgültig eine Beziehungstat aus. Diese Möglichkeit hatte BKA-Präsident Jörg Ziercke ins Spiel gebracht. Er hatte eine Verbindung nach Oberweißbach, Kiesewetters Heimatort in Thüringen, erwähnt. Die Aussage wurde später vom BKA korrigiert. Laut dem Bericht brachten die Ermittlungen keine Hinweise darauf, dass die Mörder vom Dienst der Beamtin wussten. Deshalb sei ein gezielter Anschlag auszuschließen.

Die Pistole der Polizistin und ihres schwer verletzten Kollegen war im November in dem ausgebrannten Wohnwagen in Eisenach gefunden worden, in dem Mundlos und Böhnhardt starben. Die beiden bildeten nach Erkenntnissen der Ermittler gemeinsam mit der inzwischen inhaftierten Beate Zschäpe eine rechtsextreme Terrorzelle. Sie agierte im Untergrund und bezeichnete sich als "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Das Trio soll für zehn Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft und an der Polizistin verantwortlich sein.

ulz/dpa
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