Heilbronner Polizistenmord Inkognito in der Frühlingsstraße

Beate Z., Verdächtige im Fall des Heilbronner Polizistenmordes, soll mit enormer krimineller Energie gehandelt haben. Sie soll ihr Haus in Schutt und Asche gelegt haben, ihre Komplizen gelten als mutmaßliche Bankräuber. Dennoch lebte das Trio jahrelang unbehelligt von der Polizei in der ostdeutschen Provinz.

DPA

Hamburg - Die Strafverfolgungsbehörden feiern schon den Durchbruch, einer der spektakulärsten Kriminalfälle in Deutschland scheint aufgeklärt - weil sich am Dienstag die 36-jährige Beate Z. der Polizei stellte. Die Frau, die der Neonazi-Szene zugerechnet wird, ist verdächtig, am Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter beteiligt gewesen zu sein. Doch seit ihrer Ankunft auf dem Polizeirevier schweigt Z. beharrlich.

Gewiss ist an diesem Mittwoch nur wenig: Beate Z. soll ihr Haus in der Zwickauer Frühlingsstraße angezündet haben. In den Trümmern wurden die Handschellen der getöteten Polizistin gefunden und eine Pistole, baugleich mit der Tatwaffe.

Z. soll an verschiedenen Stellen Brandbeschleuniger verwendet haben, was eine Explosion auslöste. Zeugen wollen beobachtet haben, wie Z. unmittelbar davor das Haus verließ.

Als sie sich in Jena stellte, sagte sie in etwa: "Ich bin diejenige, nach der Sie suchen." Die Angaben, die sie dann bei den Ermittlern machte, waren mehr als dürftig: 36 Jahre alt, arbeitslos, gelernte Gärtnerin. Mehr nicht. Beate Z. ging zur Polizei, doch sie verweigerte die Aussage.

"Wir gehen davon aus, dass andere Personen nicht beteiligt waren", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wiegner bei einer Pressekonferenz zur Brandstiftung. Beate Z. sitzt in Untersuchungshaft, an diesem Mittwoch wurde sie in Zwickau der Ermittlungsrichterin vorgeführt. Der Haftbefehl erging wegen schwerer Brandstiftung.

Die Verdächtigen wechselten die Identitäten - offenbar mit Erfolg

Für die Ermittler steht fest: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Explosion in Zwickau, der Tötung der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn und einem Banküberfall vor wenigen Tagen in Eisenach. Die beiden mutmaßlichen Bankräuber Uwe M. und Uwe B. erschossen sich selbst nach dem Raub in einem Wohnmobil - das in der Vergangenheit immer wieder in der Frühlingsstraße geparkt worden war. In dem Caravan fanden Ermittler die Dienstwaffe der getöteten Beamtin Kiesewetter und ihres Kollegen. Und: M. und B. lebten gemeinsam mit Beate Z. in Haus Nummer 26.

Die drei Verdächtigen seien bis Ende letzter Woche "überhaupt nicht bekannt" gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Wiegner. Ebenso wie Beate Z. hätten auch die beiden Männer unter anderen Namen operiert. Eine vierte Person soll eine weitere Wohnung im Haus gemietet und in Kontakt zu den dreien gestanden haben.

Die Polizei geht davon aus, dass M. und B. in den vergangenen Jahren mehrere Banküberfälle in der Umgebung begangen haben, bis zu zwölf sollen es sein. Die Polizei spricht von einer "begründeten Annahme". In ihrer ausgebrannten Wohnung wurden Baseballcaps und Kleidungsstücke gefunden, die Täter in der Vergangenheit bei Überfällen zur Tarnung nutzten - und die von Überwachungskameras aufgezeichnet wurden.

Keine Beweise für Verbindungen in die Neonazi-Szene

Es werde geprüft, welche ungeklärten Banküberfälle es gebe und geschaut, ob Verbindungen hergestellt werden könnten, sagte Oberstaatsanwalt Wiegner. Die Spuren im Zwickauer Haus sind vom Löschwasser durchfeuchtet. Beamten durchsuchen den Brandschutt nach Verwertbarem, mehrere Waffen wurden in den Trümmern gefunden. Die Arbeit der Ermittler steht erst am Anfang, sie kann noch Wochen dauern.

Gerüchte, die drei Verdächtigen hätten Verbindungen zu rechten Szene, wollten die Ermittler in Zwickau nicht bestätigen: Unter den Spuren sei bislang kein rechtsextremes Material. "Das kann sich aber sekündlich ändern", sagte Georgie. Viel mehr aber wollen sie nicht bekanntgeben. Für den Banküberfall in Eisenach und den Polizistenmord in Heilbronn sind jeweils andere Staatsanwaltschaften zuständig.

Die Polizistin Kiesewetter war am 25. April 2007 auf einem Parkplatz in Heilbronn durch einen Kopfschuss getötet worden. Ihr Kollege wurde lebensgefährlich verletzt, beiden Beamten wurden die Dienstwaffen geraubt. Die Polizei konnte DNA-Spuren am Tatort sichern, jagte aber jahrelang ein Phantom, weil die Wattestäbchen für die Probe von einer Mitarbeiterin des Herstellers verunreinigt wurden.

han/dpa

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