Heilbronner Polizistenmord Phantommörderin möglicherweise ein Hirngespinst

Seit Jahren fahnden die Ermittler nach einer Frau, die auch eine Heilbronner Polizistin getötet haben soll. Aber gibt es diese Person überhaupt? Einem Bericht zufolge sollen die Wattestäbchen, die zur Sicherung von DNA-Spuren verwendet werden, schon vorher mit DNA-Material kontaminiert worden sein.


Hamburg/Stuttgart - Die unter anderem wegen des Heilbronner Polizistenmords gesuchte Serientäterin existiert möglicherweise gar nicht. Nach Informationen von "stern.de" waren höchstwahrscheinlich die Wattestäbchen, die die Fahnder zur Sicherung von DNA-Spuren verwendeten, schon vorher mit DNA-Material kontaminiert - möglicherweise von einer unachtsamen Mitarbeiterin eines Herstellers dieser Stäbchen.

Das baden-württembergische Landeskriminalamt wollte gegenüber SPIEGEL ONLINE vorerst keine Stellung beziehen. "Wir werden am Abend eine entsprechende Erklärung dazu abgeben", sagte eine Sprecherin.

An mindestens 40 verschiedenen Tatorten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und in Österreich wurden DNA-Spuren einer unbekannten weiblichen Person gefunden, nach der jahrelang als Phantom gefahndet wurde. Die Frau soll mehrere Menschen, unter anderen eine Polizistin in Heilbronn, getötet haben. Zuletzt wurden Körperzellen nach einem Einbruch in einer Saarbrücker Schule an einer Cola-Dose gesichert.

Nach Informationen von "stern.de" sollen Ermittler danach eine interne Untersuchung eingeleitet haben, ob möglicherweise doch Utensilien zur Spurensicherung schon vorher verunreinigt waren. Diese "minimale Möglichkeit" habe schon Ende vergangenen Jahres der Münsteraner Rechtsmediziner Bernd Brinkmann nicht ausschließen wollen.

Die Wattestäbchen zur Sicherung von DNA-Spuren wurden dem Bericht zufolge zwar ordnungsgemäß sterilisiert, aber menschliche Körperzellen - etwa aus Hautresten, Schweiß und anderen Sekreten - überleben nach Auskunft von Experten eine solche Maßnahme.

Laut "stern.de" sollen inzwischen Packerinnen eines norddeutschen Unternehmens für Medizinbedarf Speichelproben abgegeben haben, um ihr DNA-Profil mit dem des Phantoms abgleichen zu können. Allerdings bleibt rätselhaft, ob die DNA-Spur von einer einzigen Frau an so vielen und weit auseinander liegenden Tatorten über so viele Jahre stammen kann.

jjc/AP

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