Helgoland-Katamaran Kapitän nach Unfall auf hoher See verurteilt

Ein zerborstenes Panoramafenster, eine kaputte Reling, viele verletzte und traumatisierte Passagiere: Nach dem Unfall eines Nordsee-Katamarans, bei dem 26 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, wurde nun der Kapitän des Schiffes verurteilt.


Emden - Nach dem schweren Seeunfall des Hochsee-Katamarans "Polarstern" muss der Kapitän des Schiffes eine Geldstrafe zahlen.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilte das Emder Amtsgericht den 27-Jährigen am Montag zu einer Strafe von 6300 Euro. Der Mann habe es versäumt, eine beschädigte Reling bergen zu lassen, den Kurs des Schiffes zu ändern und das Tempo zu drosseln, begründete Richter Daniel Hunsmann sein Urteil. Die Reling hatte sich am 4. August auf der Rückfahrt des Katamarans von Helgoland nach Emden bei schwerem Seegang losgerissen und ein Panoramafenster zerschlagen.

Bei dem Unfall wurden 26 Menschen verletzt, mehrere von ihnen schwer. Zu Lasten des Angeklagten habe sich bei der Urteilsfindung die erhebliche Anzahl der Opfer und deren "nicht unerhebliche Verletzungsfolgen" wie Schnittwunden, Arbeitsunfähigkeit oder traumatische Angstzustände ausgewirkt, so der Richter. Auch habe es sich um eine "immens hohe Gefährdungslage" gehandelt, die sich zu einer Katastrophe hätte auswachsen können.

Außer dem Geständnis des 27-Jährigen fiel jedoch auch mildernd ins Gewicht, dass der Angeklagte nicht vorbestraft gewesen sei und die Reederei AG Ems dem Opfern bereits Schmerzensgeld zahle.

Der Kapitän und die Reederei AG Ems bedauerten den Unfall und den Umstand, dass dabei Menschen verletzt wurden. An Bord waren insgesamt 357 Passagiere.

pad/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.