Kriminalität Immer mehr Rocker in Deutschland

Allen Verboten zum Trotz ist die Zahl der Rocker in Deutschland erneut gestiegen. Nach SPIEGEL-Informationen zählten die Behörden zuletzt mehr als 10.000 Mitglieder der Gangs.

Hells Angels (Archiv)
imago/ Hartenfelser

Hells Angels (Archiv)

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Rockergangs wie Hells Angels, Bandidos und Gremium ziehen in Deutschland immer mehr junge Männer an. Nach Informationen des SPIEGEL ist die Zahl der Banden und ihrer Mitglieder im vergangenen Jahr erneut gestiegen - und dürfte damit einen neuen Höchststand erreicht haben.

Wie das Bundeskriminalamt (BKA) auf Anfrage mitteilte, erfassten die Behörden 2016 insgesamt 730 Ortsgruppen, denen etwa 10.300 Männer angehörten. Ein Jahr zuvor waren es noch 640 Vereine mit 9500 Mitgliedern, 2009 sogar bloß 460 Banden mit 5800 Mitgliedern.

Mehr als die Hälfte aller Rocker entfiel im vergangenen Jahr auf die großen Gruppierungen. So gehörten nach Angaben des BKA den Bandidos und Hells Angels jeweils 1500 Männer an, der Gang Gremium etwa 1900. Die Entwicklung steht im Gegensatz zu den intensiven Bemühungen der Behörden von Bund und Ländern, die Szene mit Vereinsverboten und Ermittlungsverfahren zu schwächen.

Zuletzt hatten Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) im Oktober einen Ableger der Hells Angels schließen lassen. Die Rocker versuchten, "Macht- und Gebietsansprüche aggressiv gegen verfeindete Klubs durchzusetzen", so Reul damals. Der Rechtsstaat nehme nicht hin, "dass Parallelgesellschaften wuchern, in denen seine Autorität und das Gewaltmonopol missachtet werden".

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Der Bundestag beschloss zudem vor einiger Zeit eine Verschärfung des Vereinsgesetzes, mit der Rockern ihr mitunter martialischer Auftritt im öffentlichen Raum erschwert werden soll. Die Regelung unterbindet die bislang gängige Praxis, dass Bandenmitglieder nach dem Verbot ihres Ortsvereins einfach die Kutten anderer Filialen ihrer Gang anziehen. Die Rocker wollen sich gegen die Vorschrift wehren - und vor das Verfassungsgericht ziehen.



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