Schleswig-Holstein 19-Jähriger fährt Anti-AfD-Demonstranten mit Pick-up an - Staatsschutz ermittelt

Nachdem ein Autofahrer mehrere linksgerichtete Demonstranten bei einer AfD-Veranstaltung erfasst hat, ermittelt der Staatsschutz. Ein Polizist hatte in dem anschließenden Tumult einen Warnschuss abgegeben.

Rund 200 Menschen demonstrierten offiziellen Angaben zufolge  im schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg gegen eine Veranstaltung der rechtsgerichteten AfD. Am Rande der Kundgebung am Samstag fuhr ein 19-Jähriger mit einem silbergrauen Pick-up-Truck mehrere Demoteilnehmer an. Zwei Männer sowie eine 21-jährige Frau wurden bei dem Zusammenstoß verletzt, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel sagte. Das Staatsschutzkommissariat habe die Ermittlungen in dem Fall übernommen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr gegen den Teenager. Dieser zeigte sich dem Sprecher zufolge nach seiner Festnahme kooperativ, zur Sache selbst habe er sich bislang aber nicht geäußert. Der Fahrer sei strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getreten. Laut Staatsanwaltschaft werden die politische Einstellung und ein etwaiges Motiv des Mannes noch ermittelt. Das "Hamburger Abendblatt " berichtete von einem "Rechten", eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es bislang nicht.

Sachverständiger untersucht Pick-up

Laut Polizei hatte es zuvor eine Spontandemo von 50 bis 60 Anhängern der linken Szene und Handgreiflichkeiten gegenüber Besuchern der AfD-Veranstaltung und Polizeibeamten gegeben. Außerhalb des Veranstaltungsgeländes seien "Demonstranten der rechten und linken Szene" aneinandergeraten. Der Heranwachsende gehörte laut einem Polizeisprecher zu einer Gruppe von insgesamt vier jungen Männern, die demnach eigenen Angaben zufolge von der Veranstaltung kam, zu der auch AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen angereist war.

Darüber, was dann passierte, gibt es unterschiedliche Versionen. Vonseiten der Demonstranten war dem Polizeisprecher zufolge geäußert worden, der Autofahrer habe auf die Aktivisten zugehalten, um sie zu verletzen. Vonseiten der Gruppe der jungen Männer sei indes zu hören gewesen, diese seien bedrängt und bepöbelt worden, zwei von ihnen, darunter der 19-Jährige, hätten das Auto erreicht und damit die anderen abholen wollen.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft muss der Hergang der Kollision nun aufgeklärt werden. Keiner der Polizisten, die bei der AfD-Veranstaltung eingesetzt waren, habe den Vorfall selbst gesehen, sagte der Polizeisprecher. Nach dem Zusammenstoß hätten Beamte jedoch den Fahrer zu Boden gebracht, fixiert und zur Dienststelle transportiert. Auch der Beifahrer sei mitgenommen worden.

Im Anschluss an die Kollision habe es Tumulte gegeben, der Polizeisprecher sprach von einer aufgeladenen Stimmung. Einer der Beamten schoss daraufhin mit seiner Dienstwaffe in die Luft, angeblich um die Lage zu beruhigen.

Der Pick-up wurde sichergestellt, ein Sachverständiger soll unter anderem die Geschwindigkeit beim Aufprall und die zurückgelegte Wegstrecke ermitteln. Außerdem werden laut Staatsanwaltschaft Zeugen befragt. Auf wen das Auto zugelassen ist, ist bislang unklar.

apr