Sparkasse in Herford Erneut Geldautomat gesprengt - trotz Festnahmen

Die Serie mysteriöser Explosionen in deutschen Banken geht weiter - obwohl die Polizei gerade erst drei Männer festgenommen hat. Diesmal traf es eine Sparkasse im westfälischen Herford.

Gesprengter Geldautomat in Cremlingen (Archivbild): Polizei fahndet weiter
DPA/ Polizei Niedersachsen

Gesprengter Geldautomat in Cremlingen (Archivbild): Polizei fahndet weiter


Sie kommen in der Nacht, leiten Gas in Geldautomaten und zerstören durch die Explosion meist den gesamten Schalterraum der Bank. So auch in der Nacht zum Donnerstag: Erneut haben Unbekannte den Automaten einer Sparkasse in die Luft gejagt, diesmal im westfälischen Herford. Danach flohen sie. Ob mit oder ohne Beute konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht sagen.

Damit geht die bundesweite Serie von Geldautomaten-Sprengungen weiter - auch nach den jüngsten Festnahmen. Am Mittwoch hatte die Polizei drei Männer unmittelbar vor einer Sprengung in Dorsten festgesetzt. Sie sollen für 13 Fälle am Niederrhein verantwortlich sein.

In den vergangenen Monaten explodierten allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 60 Geldautomaten. Für einen Teil der Taten kommen nach Einschätzung der Ermittler mindestens zwei Gruppen aus den Niederlanden in Betracht. Wie SPIEGEL ONLINE berichtete, rummste es laut BKA in diesem Jahr bereits 63-mal (Stand: Anfang November), mittlerweile dürften es noch deutlich mehr Fälle sein.

Nach dem jüngsten Fahndungserfolg in Dorsten meldet die Polizei: "Wir haben an Tatmitteln DNA sichern und zuordnen können und sind guter Dinge, dass es weitere Festnahmen gibt", sagte der Direktor des Landeskriminalamts (LKA), Uwe Jacob. "Derzeit laufen verschiedene Rechtshilfeersuchen mit den Niederlanden. Ich denke, da werden bald weitere Erfolge offensichtlich werden."

Hinter den Explosionen vermutet die Polizei sehr unterschiedliche Täter, erklärt Jacob:

  • So gebe es den "Dilettanten, der es nicht schafft, eine einzige Tat zu vollenden".
  • Die in Dorsten festgenommenen Verdächtigen sollen mehr als ein Dutzend Geldautomaten in die Luft gesprengt haben - sie blieben jedoch jedes Mal ohne Beute.
  • Daneben gebe es aber auch die hochprofessionelle Tätergruppe aus den Niederlanden.

Fünf Verdächtige - zwei sind in Haft, drei untergetaucht - sollen für eine Serie von Geldautomaten-Sprengungen in Baumärkten verantwortlich sein. Eine Reihe misslungener Sprengungen sollen auf das Konto von zwei Verdächtigen aus Troisdorf gehen. Am Mittwoch kamen die drei mutmaßlichen Panzerknacker vom Niederrhein hinzu.

Bis Mitte Dezember entstanden Schäden in Höhe von schätzungsweise rund vier Millionen Euro. Sie sollen damit deutlich größer sein als die Beute, die aber inzwischen auch Millionenhöhe erreicht hat.



vek/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Eduschu 24.12.2015
1.
Man fragt sich, warum niederländische Tatverdächtige sich Banken in Deutschland aussuchen. Kann es sein, dass die Justiz in den NL härter durchgreift, wenn sie eines Tatverdächtigen habhaft wird oder halten die Täter die Gefahr, in den NL überhaupt von der Polizei gefasst zu werden für höher?
holger_s. 24.12.2015
2.
was ist denn an den Explosionen mysteriös? vorsätzliche Sprengungen eben. oder fliegen die Dinger neuerdings von selbst in die Luft?!
Orthoklas 24.12.2015
3. Peinlich
Offenbar ist es in Zeiten der totalen Überwachung ein Kinderspiel, unerkannt regelmäßig halbe Häuser in die Luft zu jagen. Spricht nicht unbedingt für die Polizei und Banken, das muss ich schon sagen!
stempelchen 24.12.2015
4. Im Grunde eine lustige Raubmethode
Sie hört sich nach Silvester an. Je mehr berichtet wird, um so größer die Zahl der Nachahmer. Er kommt denn schon aus eigener Fantasie auf diese Raubmethode? Banken und Kunden könnten sich davor weitgehend schützen. Bis Ende 2015 gab es "Bargeld" direkt auf die Geldkarte eingespielt. Damit konnte bargeldlos gezahlt werden ohne Bankeinzug. Da Geld nur noch gebucht wird, gibt es keine Scheine mehr im Automaten. Mangels Nutzung abgeschafft. Zur Freude der Automatensprenger?!?
a.c.a.thaler 24.12.2015
5. Viele Filialen ...
... haben kaum noch Personal, man kommuniziert lediglich mit diesen Automaten. Als das Geld noch durch Personal entgegengenommen oder wurde, gab es deutlich weniger Überfälle. Diese Personaleinsparungen werden für die Banken teuer.
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