Sachsen-Anhalt Zwei Todesfälle an einem Tag - Hermes stellt Betrieb in Haldensleben ein

Binnen einem Tag sind zwei Mitarbeiter des Paketdienstleisters Hermes in Sachsen-Anhalt gestorben, ein dritter ist schwer verletzt. Die Hintergründe sind unklar. 120 Feuerwehrkräfte sind vor Ort, die Polizei ermittelt.

Matthias Strauß/ DPA

Nach dem Tod zweier Mitarbeiter des Paketdienstleisters Hermes in Haldensleben hat das Unternehmen seinen Betrieb vor Ort vorübergehend eingestellt. Das Gelände sei abgesperrt, sagte ein Hermes-Sprecher in der Nacht zu Mittwoch. Er ging davon aus, dass es zu Verzögerungen in der Abwicklung kommen werde, sollte der vorläufige Betriebsstopp in dem Versandzentrum mit 3000 Mitarbeitern nicht binnen kurzer Zeit aufgehoben werden. Üblicherweise ist in der Logistik in der Nachtschicht Hochbetrieb, sagte der Sprecher.

Binnen eines Tages waren zwei Mitarbeiter gestorben.

  • Auf dem Gelände des Versandzentrums in Sachsen-Anhalt wurde in der Nacht zu Dienstag zunächst ein toter Mann entdeckt. Der 58-jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben.
  • Am Nachmittag wurde nach Polizeiangaben in Haldensleben dann in einem Transportfahrzeug ein weiterer Mitarbeiter tot aufgefunden. Der 45-Jährige saß demnach leblos auf dem Fahrersitz.

Die Todesursache ist in beiden Fällen noch unklar. Ein dritter Mann war am Dienstag schwer verletzt gefunden worden. Er soll gesundheitliche Probleme gehabt haben.

Die Polizei erklärte, man gehe bisher von einer Verkettung von Zufällen aus. "Wir gehen davon aus, dass das ein unglücklicher Zusammenhang ist", sagte Matthias Lütkemüller von der Polizei Börde. Man könne aber nicht ausschließen, dass es sich um eine Gefährdungssituation handelt.

Feuerwehr überprüft Paket in Haldenslebener Wohnung sowie den Transporter

In der Nacht zu Mittwoch waren rund 120 Mitarbeiter der Feuerwehr vor Ort. Die Polizei ging davon aus, dass der Einsatz "auf jeden Fall noch Stunden" dauere. Es seien keine Mitarbeiter des Paketdienstes mehr am Versandzentrum. Die Spätschicht sei früher entlassen worden, die Nachtschicht habe nicht begonnen.

Mitarbeiter der Feuerwehr sind in Schutzanzügen im Einsatz
Matthias Strauß/ DPA

Mitarbeiter der Feuerwehr sind in Schutzanzügen im Einsatz

Am frühen Mittwochmorgen teilte die Polizei dann mit, dass Einsatzkräfte der Feuerwehr in einer Wohnung ein Paket auf mögliche giftige Stoffe überprüft hätten. Die Mitarbeiter hätten Schutzanzüge mit Atemschutz getragen. Es habe aber keine Kontaminierung gegeben.

In der Nähe der Wohnung haben Einsatzkräfte zudem um kurz nach Mitternacht das Fahrzeug abgeschleppt, in dem der 45 Jahre alte Hermes-Mitarbeiter gestorben war. Es würden nun alle Pakete, die in dem Wagen waren, an einem sicheren Ort überprüft, erklärte die Polizei. Auch der Transporter selbst wurde demnach auf giftige Schadstoffe untersucht.

Hinweise dafür, dass gefährliche Substanzen den Tod der beiden Männer ausgelöst haben, gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. "Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht", sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Testgeräte hatten an einem der untersuchten Pakete geringste Mengen eines handelsüblichen Stoffes angezeigt, der laut Polizei in großen Mengen gefährlich sein könnte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Todesfälle mit der Substanz "gar nichts" zu tun haben.

Die Leichen der beiden Verstorbenen sollen am Mittwoch obduziert werden. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, sagte der Polizeisprecher. Ein Gerichtsmediziner sei auf dem Weg.

aar/dpa



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