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09. März 2017, 03:36 Uhr

Weiterer Fahndungsaufruf

Mutmaßlicher Herne-Täter könnte verletzt sein

Der Polizei fehlt weiterhin eine heiße Spur bei der Suche nach dem mutmaßlichen Kindsmörder von Herne, sie sucht weiter nach Zeugen. Der 19-Jährige hat sich bei der Tat möglicherweise an der Hand verletzt.

Die Polizei hat im Fall des ermordeten neunjährigen Jungen aus Herne einen neuen Fahndungsaufruf veröffentlicht. Sie sucht nach Zeugen, die den mutmaßlichen Täter Marcel Heße am Montag oder den darauffolgenden Tagen in einem Krankenhaus, einer Apotheke oder bei einem Arzt gesehen haben könnten. Laut einer Polizeisprecherin hat sich der 19-Jährige bei der Bluttat möglicherweise an der Hand verletzt: "Wir sind weiter auf Hinweise von Zeugen angewiesen." Die bislang von Bochum aus gesteuerten Ermittlungen laufen jetzt im Polizeipräsidium Dortmund zusammen.

Zusätzlich veröffentlichte die Polizei das Bild eines Hundes und erbittet Angaben zu dessen Besitzer. "Das könnte uns in unseren Ermittlungen ein Stück voranbringen", sagte Polizeisprecherin Cornelia Weigandt. Wie der Hund mit Tat und mutmaßlichem Täter in Verbindung steht, wollte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Am späten Abend war in einem Internetforum ein Bild aufgetaucht, das eine Person, die Marcel Heße ähnlich sieht, rauchend auf einem Bahnsteig zeigt. Die Polizei überprüfe das, sagte die Sprecherin. Bislang konnte sie nicht bestätigen, dass es sich um den Flüchtigen handelt. Eine Festnahme habe es noch nicht gegeben. "Der Polizei liegen insgesamt mehrere Fotos vor, auf denen angeblich der Tatverdächtige zu sehen sein soll", sagte Weigand.

Zuvor hatte es am Mittwochabend in Herne einen weiteren Polizeieinsatz mit einem Hubschrauber und Spezialkräften gegeben. Dabei sei ein Hinweis überprüft worden, sagte Weigandt. Trotzdem gibt es weiter keine heiße Spur.

Neben der Fahndung nach dem 19-Jährigen, die durch Hundertschaften unterstützt wird, steht ein Hinweis auf ein weiteres Opfer im Fokus der Ermittlungen. Ein User habe sich in einem Internet-Chat als der flüchtige Mörder des Neunjährigen vorgestellt und dort beschrieben, wie er eine Frau überwältigt habe, um an Daten für einen Bankzugang sowie Computer und Telefon zu gelangen. "Wir nehmen das sehr ernst, allerdings gibt es bislang keine Hinweise auf eine vermisste Frau, auf die die Beschreibung passt", sagte der Bochumer Polizeisprecher Volker Schütte.

In dem von der Polizei veröffentlichen Chat-Text beschreibt der User, wie er ein "120 kg Biest bekämpft" habe: "Sie leistete mehr Widerstand als das Kind." Das Landeskriminalamt unterstützt die Polizei bei den Ermittlungen. Ein Sprecher sprach von ungewöhnlich grausamen Bildern, die die Tat in Herne zeigten.

Wegen der Großfahndung galten an Schulen und Kindergärten der Stadt Herne am Mittwoch besondere Sicherheitsvorkehrungen. Das Jugendamt hatte als Vorsichtsmaßnahme die städtischen Kindergärten aufgefordert, mit den Kindern nur drinnen zu spielen. Notfallseelsorger und Psychologen seien zudem an der Grundschule des getöteten Jungen, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. "Der Unterricht aber findet überall statt."

Der Neunjährige war am Montagabend erstochen in Herne im Keller seines Nachbarn Marcel Heße gefunden worden. Der als Einzelgänger geltende 19-Jährige steht im dringenden Verdacht, den Jungen mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Heße hatte sich mit der Tat im sogenannten Darknet gebrüstet, einem abgeschotteten Bereich des Internets.

Heße soll den Jungen unter einem Vorwand in sein Haus direkt nebenan gelockt haben, wie der Anwalt der Familie des Opfers, Reinhard Peters, sagte. Der 19-Jährige sei herübergekommen und habe gefragt, ob der Junge eine Leiter halten könne.

max/dpa

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