Herne-Prozess Polizist beschreibt Angeklagten als emotionslos

Marcel H. soll einen neunjährigen Jungen umgebracht haben und später einen Freund. Ein Polizist beschrieb den Angeklagten im Prozess als gefühlskalt. Im Vernehmungsprotokoll stehen grausige Details.

Der Angeklagte Marcel H.
DPA

Der Angeklagte Marcel H.


Als kalt und emotionslos hat ein Polizist im Prozess um den Doppelmord von Herne den Angeklagten bezeichnet. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ihm irgendetwas leidtat", sagte der 48-Jährige als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht.

Der Kriminalhauptkommissar hatte Marcel H. nach dessen Festnahme am 9. März 2017 noch in der Nacht vernommen. "Er wollte seine Geschichte erzählen, das war ihm wichtig." Und zwar mit allen Details: "Er hat mir sein Geständnis praktisch diktiert."

In der rund dreistündigen Vernehmung nach seiner Festnahme schilderte Marcel H. demnach genau, wie er den neunjährigen Nachbarsjungen Jaden in seinen Keller gelockt und dort getötet habe. "Ich habe Jaden am Hals gehalten und zugestochen - und als er mich angeguckt hat, habe ich ihm in die Augen gestochen", gab der 19-Jährige den Angaben zufolge bei der Polizei zu Protokoll.

Danach sei ihm allerdings alles surreal erschienen, habe der arbeitslose Deutsche ausgesagt. "Es sah für mich alles aus wie ein Film, obwohl es natürlich kein Film war."

Motiv Mordlust

Später hieß es laut Protokoll in einer Sprachnachricht von Marcel H. an einen Freund: "Ich habe hier gerade den Nachbarn umgebracht. Fühlt sich ehrlich gesagt gar nicht so besonders an." Dieses Tondokument wurde im Prozess vorgespielt.

Auch sein zweites Opfer soll der Angeklagte brutal ermordet haben. Nach seiner Schilderung bei den Ermittlern legte er seinem früheren Schulfreund Christopher W., bei dem er Unterschlupf gefunden hatte, nach mehr als 60 Messerstichen einen Bademantelgürtel um den Hals und zog zu. "Danach hat er aufgehört zu strampeln und ich war sicher, dass er tot war", heißt es in dem Vernehmungsprotokoll.

Das Motiv für die Tötung des kleinen Jaden soll Mordlust gewesen sein. Der 22-jährige Christopher W. musste laut Anklage sterben, weil er mitbekommen hatte, dass nach Marcel H. gefahndet wird und er deshalb die Polizei rufen wollte.

Im Falle einer Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht drohen Marcel H. bis zu 15 Jahre Haft. Sollte er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, ist auch die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe möglich.

brt/dpa

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