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Mutmaßlicher Kindsmörder von Herne Zwei Tote und viele Fragen

Der mutmaßliche Kindsmörder von Herne hat sich der Polizei gestellt. Doch viele Details sind unklar. Was wir wissen - und was nicht.

Drei Tage war er auf der Flucht - nun stellte sich der mutmaßliche Kindsmörder von Herne der Polizei. Die Ermittler nahmen den 19-jährigen Marcel Heße am Donnerstagabend fest. Offenbar hat er mindestens zwei Menschen getötet.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum sagte, der Verdächtige habe sich "in der Nacht zur Sache ausgelassen". Seit Freitagvormittag sitzt er in Haft und soll in ein Gefängnis verlegt werden, wie der Bochumer Oberstaatsanwalt Paul Jansen sagte. "Er hat sich in der Nacht bei der Polizei zur Sache eingelassen", so Jansen.

Um 16 Uhr wollen Polizei und Staatsanwaltschaft eine Pressekonferenz abhalten. Noch sind viele Details des Falls unklar. Ein Überblick: Was wir wissen - und was nicht.

Was wir wissen

Wie starb der neunjährige Jaden F.?

Am Montagabend wird der neunjährige Jaden F. im Keller seines Nachbarn Marcel Heße gefunden. Laut Obduktion ist der Junge mit mehreren Messerstichen getötet worden. Der Polizei liegen im Internet verbreitete Fotos vor, die Heße blutverschmiert neben dem Kind zeigen. Die Aufnahmen machen selbst Ermittler fassungslos, so sagen sie.

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Kindermord von Herne: Ende einer Flucht

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Laut Angaben des Anwalts von Jadens Familie, Reinhard Peters, lockte Heße den Jungen unter einem Vorwand zu sich ins benachbarte Reihenhaus. Demnach bekam der Bruder von Jaden mit, wie Heße fragte, ob der Junge eine Leiter halten könne.

Warum geriet Marcel Heße sofort in den Fokus der Ermittler?

Marcel Heße schickt offenbar unmittelbar nach der Tat Bilder per WhatsApp an einen Chatpartner. Der Bekannte verständigt die Polizei, lädt die Fotos außerdem im Netz hoch. Einsatzkräfte dringen in das Haus des mutmaßlichen Täters ein und finden den getöteten Jungen. Zu diesem Zeitpunkt versuchte der Stiefvater bereits, den Jungen wiederzubeleben.

Marcel Heße wird in der Fahndung als gefährlich eingestuft. Der 19-Jährige deutete den Ermittlern zufolge weitere Taten an. Heße ist Brillenträger, hat kurze Haare, er ist schlank und etwa 1,75 Meter groß. Nach drei Tagen Großfahndung gelingt die Festnahme - in einem Imbiss in Herne.

Welche Rolle spielt das Darknet?

Die Polizei kassiert im Laufe der Ermittlungen einige Informationen. So hieß es zunächst, es gebe ein Video der Tat, das im Darknet kursiere, einem abgeschlossenen Bereich des Internets. Später teilte die Polizei mit, es gebe kein Video. Und auch das Darknet spielte in diesem Fall keine Rolle. Die Bilder waren im frei zugänglichen Netz zu sehen.

Was wir nicht wissen

Was ist das Motiv?

Der mutmaßliche Kindermörder ist der Polizei vor der Tat nicht strafrechtlich aufgefallen. Die Polizei beschreibt ihn als Einzelgänger. Er hat den Angaben zufolge auch Gedanken an einen Suizid angedeutet. Doch was den 19-Jährigen getrieben haben könnte, wollen die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht sagen.

Am Donnerstag werteten die Ermittler eine digitale Audiobotschaft mit Schilderungen zu der Tat aus. Die Polizei nimmt an, dass sie vom Täter stammt, gesichert ist das nicht. Auffallend sei die Gefühlskälte bei den Beschreibungen. Die Polizei machte keine Angaben, wie sie auf die Audiobotschaft gestoßen ist.

Wie viele weitere Opfer gibt es?

Der Tatverdächtige gibt den Ermittlern nach seiner Festnahme Hinweise auf einen Brand in einem Haus in der Nähe. Am Brandort finden Einsatzkräfte eine Leiche. "Wir wissen nur, dass es sich um einen männlichen Mitbürger unserer Stadt handelt, der noch relativ jung ist", sagte der Herner Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD). Heße wird von den Ermittlern vernommen.

Unklar ist, wie der Brand in der Herner Wohnung ausgebrochen ist und wer der Tote am Brandort ist. Ebenfalls offen ist die Frage, was den Mann mit dem Festgenommenen verbindet. Am Donnerstag setzten Experten der Spurensicherung ihre Arbeit in dem Haus fort.

Bereits während der Fahndung prüfte die Polizei Hinweise auf ein weiteres Opfer. Ein User hatte sich laut Polizei in einem Internet-Chat als der Kindermörder ausgegeben und dort beschrieben, wie er eine Frau überwältigt habe, um an Daten für einen Bankzugang sowie Computer und Telefon zu kommen. In dem von der Polizei veröffentlichen Chat-Text beschreibt der User, wie er ein "120 kg Biest bekämpft" habe. Der Verdacht bestätigte sich bislang nicht.

sms/dpa
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