Cold Case in Hessen Der rätselhafte Leichenfund von Rosbach

Waldarbeiter fanden vor 30 Jahren im Stadtwald von Rosbach in Hessen einen skelettierten Leichnam - derart verwest, dass nicht einmal das Geschlecht festzustellen war. Nun haben die Ermittler neue Details zu dem Fall.

Gesichtsrekonstruktion
Staatsanwaltschaft Gießen

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Für die Kriminalpolizei Friedberg und die Staatsanwaltschaft Gießen ist es nicht der erste sogenannte Cold Case, den sie sich vornehmen. Ein ungeklärtes Verbrechen also, zu dem die Ermittlungen vor vielen Jahren eingestellt wurden, und das nun aus den Aktenschränken hervorgekramt und neu aufgerollt wird.

Es dürfte aber einer derjenigen sein, der aufzeigt, was mithilfe der neuesten Kriminaltechnik heutzutage nachträglich zu ermitteln ist - fast 30 Jahre später.

Es geht um einen skelettierten Leichnam, den Waldarbeiter am Nachmittag des 21. Juni 1988 im Stadtwald von Rosbach fanden, nahe der Autobahn 5 bei Friedberg in Fahrtrichtung Frankfurt am Main. Er lag in einem Entwässerungsgraben, und so wie er da lag, war klar: Diese Person starb durch ein Verbrechen. Welche Anhaltspunkte es für diese Einschätzung gab, wollen die Ermittler nicht preisgeben. "Es geht um Täterwissen", sagt Staatsanwalt Thomas Hauburger.

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Rätselhafter Kriminalfall: Das Skelett aus dem Wald

Die Verwesung des Leichnams war weit fortgeschritten: Die Rechtsmediziner konnten weder die konkrete Todesursache noch das Geschlecht eindeutig bestimmen. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft nahmen im Jahr 2017 bei der turnusmäßigen Überprüfung von Altfällen die Ermittlungen wieder auf und beauftragten mehrere Spezialisten mit umfangreichen Untersuchungen.

Erstaunlich, was diese rekonstruieren konnten: Es handelt sich bei dem Leichnam um eine Frau, schlank, zwischen 25 und 35 Jahre alt, geboren zwischen 1953 und 1963, irgendwo in Europa. Das Institut für Rechtsmedizin in Gießen konnte aus einem Eckzahn des Leichnams DNA gewinnen.

Aufgewachsen ist die Unbekannte in Gebirgsregionen im südöstlichen Polen oder in grenznahen Gebieten der Ukraine. In der Pubertät könnte sie in südliche Alpenregionen gezogen sein, vielleicht in die Schweiz oder nach Norditalien.

Das fanden Rechtsmediziner aus München und Experten der Freien Universität in Amsterdam anhand des Schädels, der Zähne und der Haare der Toten heraus: Die Forensiker erstellten ein sogenanntes Isotopengutachten. Menschliches Körpergewebe enthält entsprechend der Zeit, zu der es sich bildete, geografische Informationen aus unterschiedlichen Lebensphasen einer Person von ihrer Kindheit bis zum Tod. so ließ sich feststellen, wo die Frau am ehesten aufgewachsen sein muss.

1,65 Meter groß, Haare mittelbraun und gelockt, Schuhgröße 34-35

Im letzten Lebensabschnitt hielt sich die Unbekannte demnach nicht in Europa auf: Die in dieser Phase aufgenommene Nahrung spricht für einen Aufenthalt in Indien oder anderen meeresnahen, südasiatischen Regionen. Erst wenige Wochen vor ihrem Tod, Mitte 1988, dürfte sie nach Ansicht der Experten nach Mitteleuropa und Deutschland zurückgekehrt sein.

Die Frau war 1,65 Meter groß, ihre Haare waren mittelbraun und gelockt, ihre Schuhgröße 34-35. Sie besaß 17 Zahnfüllungen, überwiegend Silberamalgam, ihr Vorbiss war ausgeprägt, ihre Blutgruppe A. Zuletzt trug die Frau einen goldfarbenen Ohrstecker. Durch die toxikologischen Untersuchungen der Haare war zudem feststellbar, dass die Frau keine Betäubungsmittel konsumierte. Sachverständige der Hochschule Mittweida erstellten zudem eine computergestützte Gesichtsweichteilrekonstruktion der Toten.

Das Hauptziel sei es nun zunächst herauszufinden, wer die Unbekannte war, sagt Staatsanwalt Hauburger. Wer kennt die Frau? Wo hat sie gelebt? Wo hat sie gearbeitet?

Wenn die Leiche identifiziert ist, beginnt für die Ermittler die klassische Kriminalarbeit: Über das Opfer und sein Umfeld könnten sie das Tatmotiv ermitteln und im Idealfall den Täter überführen. "Wir sind optimistisch", sagt Hauburger. Jedes Opfer habe verdient, dass das Verbrechen an ihm geklärt werde.


Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft bitten um Hinweise über die Polizei in Friedberg
Tel.: 049 6031- 601 - 0



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