Hinrichtung in Florida Serienkiller stirbt singend

Danny Harold Rolling, einer der berüchtigtsten Mörder der USA, hat noch in den letzten Minuten seines Lebens Empörung ausgelöst. Er hatte 1990 fünf Studenten mit einem Jagdmesser abgeschlachtet. Bei seiner Hinrichtung stimmte er einen Choral an - zum Entsetzen der Angehörigen seiner Opfer.


Gainesville - Rolling sei gefragt worden, ob er noch seine letzten Worte sprechen wolle, und habe daraufhin angefangen zu singen, sagte ein Sprecher des Gefängnisses in Starke im Süden des US-Bundesstaates Florida. Der Todeskandidat habe ein Lied gesungen, das wie ein Choral in der Kirche geklungen habe. Der 52-Jährige habe gesagt, es heiße "None greater than thee, Lord" ("Niemand ist größer als Du, Herr"). Mitarbeiter der Haftanstalt hätten zwar die Lautsprecher abgestellt, aber Danny Rolling sang und redete noch zwei Minuten weiter, während ihm das tödliche Gift injiziert wurde.

Danny Rolling: "Niemand ist größer als Du, Herr"
AP

Danny Rolling: "Niemand ist größer als Du, Herr"

Im August 1990 ermordete Rolling, der als "Schlitzer von Gainesville" die University of Florida in Gainesville in Angst und Schrecken versetzt hatte, vier Studentinnen und einen Studenten im Alter zwischen 17 und 23 Jahren. Er überraschte seine Opfer zum Teil im Schlaf und vergewaltigte und verstümmelte sie. Der getötete junge Mann war ein Zufallsopfer, weil in einem Nachbarzimmer eine der Frauen schlief, auf die es Rolling abgesehen hatte. Rolling wurde mit Hilfe einer DNA-Probe überführt, als er wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt im Gefängnis saß.

Nach Angaben von CNN versuchten die Angehörigen der fünf Opfer, dem Gesang des Sterbenden nicht zuzuhören. "Ich fand das Lied furchtbar", sagte die Stiefmutter eines der Opfer. "Ich verstehe nicht, wie er einfach dasitzen und über Engel reden kann, die ihn beschützen - angesichts der schrecklichen Verbrechen, die er begangen hat." Die Schwester eines der Opfer war ebenfalls entsetzt über das Verhalten von Rolling. "Ich war rasend vor Wut während der Hinrichtung", sagte sie dem Sender. "Jetzt habe ich das hinter mir. Er ist weg."

"Ich verdiene den Tod", sagte er einmal während seiner Haft. "Aber will ich sterben? Nein, ich will leben. Es ist schwer, das Leben aufzugeben." Ein letzter Vorstoß, die bereits angesetzte Hinrichtung zu stoppen, wurde am Mittwoch vom Obersten Gerichtshof der USA abgewiesen.

Binnen zwei Tagen wurden in Ohio, Florida und Texas drei Straftäter im Namen des Staates getötet. Allein in Texas stehen in den nächsten vier Wochen noch mindestens drei weitere Hinrichtungen an. Wenige Stunden nach dem Tod Rollings wurde der 48-jährige Gregory Summers im Gefängnis der texanischen Stadt Huntsville hingerichtet, auch er durch die Injektion von Gift. Summers verzichtete auf eine letzte Erklärung. Er wurde für schuldig befunden, einen Auftragsmörder auf seine Eltern und einen Onkel angesetzt zu haben.

Der Täter wurde bereits vor mehr als sieben Jahren hingerichtet. In Texas wurden seit Beginn des Jahres 22 Todesurteile vollstreckt.

Bereits am Dienstag wurde in Ohio der 56-jährige Sektenführer Jeffrey Lundgren hingerichtet. Er erschoss 1989 fünf Mitglieder einer Familie, weil er sie für nicht überzeugt genug gehalten hatte.

ffr/AP/AFP



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