Hochzeitskorsos auf Autobahnen "Hormonüberschuss und eine fragwürdige Einstellung zu Regeln"

Mehrere Hochzeitsgesellschaften gefährdeten zuletzt den Straßenverkehr - mit Blockaden und riskanten Fahrmanövern. Die Polizei ist alarmiert, nun beschäftigt das Phänomen auch die Politik.
Blockade der A3 nahe Ratingen durch eine mutmaßliche Hochzeitsgesellschaft in Luxusautos (am 22. März)

Blockade der A3 nahe Ratingen durch eine mutmaßliche Hochzeitsgesellschaft in Luxusautos (am 22. März)

Foto: Polizei Düsseldorf

Zuletzt hatten sich die Vorfälle gehäuft, nun spricht die Polizei eine Warnung aus: Die Behörden in Nordrhein-Westfalen sehen in Hochzeitsgesellschaften, die mit Korsos den Verkehr auf Autobahnen behindern, eine wachsende Gefahr, wie unter anderem die "Rheinische Post" berichtet .

"Wenn es dabei zu einem Unfall kommt, werden die Verantwortlichen ihres Lebens nicht mehr froh", sagte ein Polizeisprecher in Düsseldorf dem Bericht zufolge. Nach den Blockaden in den vergangenen Tagen sei man guter Dinge, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags will sich an diesem Donnerstag mit den Vorfällen beschäftigen.

Zuletzt war die Polizei in Nordrhein-Westfalen mehrfach wegen rücksichtsloser Hochzeitsgesellschaften ausgerückt: In Essen stoppten Beamte Ende März einen Autokorso wegen erhöhter Geschwindigkeit und rücksichtsloser Fahrweise. Wenige Tage zuvor hatten Feiernde die A3 bei Ratingen mit Luxusautos blockiert, offenbar um auf der Fahrbahn Fotos zu machen.

"Das ist absolut lebensgefährlich und sinnbefreit", sagte der Polizeisprecher. Auch Fahrer mit Migrationshintergrund könnten sich nicht etwa auf kulturelle Unterschiede berufen: "Da geht es um Auswüchse, die eher mit einem Hormonüberschuss und einer fragwürdigen Einstellung zu Regeln zu tun haben."

Hupen und sinnloses Im-Kreis-Fahren

"Das sind Menschen, die Verbotsschilder für Landschaftsverschönerung halten und Tempokontrollen für Abzocke." Dem Sprecher zufolge ist es wenig überraschend, dass es sich ausschließlich um Männer gehandelt habe. Die Polizei ermittelt wegen Verkehrsgefährdung und Nötigung.

Im Fall auf der A3 bei Ratingen waren einer Zivilstreife Sportwagen aufgefallen, die mit Warnblinklicht pausenlos die Spur wechselten, so den Verkehr ausbremsten und schließlich stoppten. Als die Polizisten einzelne Fahrer stoppten, sollen diese ein Fehlverhalten bestritten und geäußert haben, man "kenne einen guten Anwalt".

Im Essener Fall hatte die Polizei eine Hochzeitsgesellschaft gestoppt, die deutlich zu schnell und über Rot gefahren war. Zwei 25 und 26 Jahre alte Fahrer mussten den Führerschein abgeben, der Bräutigam musste mit zur Wache.

In Oer-Erkenschwick im Kreis Recklinghausen hatte ein 24-Jähriger zuletzt bei einem Hochzeitsautokorso auf einer Kreuzung die Reifen durchdrehen und sein Auto im Kreis fahren lassen. Er habe gehupt und den Verkehr "massiv behindert". Eine Streifenwagenbesatzung stoppte den Mann. Weil die Hochzeitsgesellschaft aggressiv auf die Beamten reagierte, forderten diese Verstärkung an.

Erst am vergangenen Wochenende hatten zudem vier Autos die A81 bei Stuttgart blockiert: Die Fahrer fotografierten laut Polizei den Stau.

mxw
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