Höchststrafe für Uwe K. Mitjas Mörder kommt nie wieder frei

Das Leipziger Landgericht hat im Fall des getöteten Mitja den angeklagten Uwe K. zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest und stufte den vorbestraften Kinderschänder als Gefährdung für die Allgemeinheit ein.


Leipzig - Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Uwe K. den Neunjährigen sexuell missbraucht und anschließend erwürgt hat. Die Kammer wertete dies als Mord, Vergewaltigung mit sexuellem Missbrauch sowie vorsätzliche Körperverletzung. "Der Angeklagte hat auf gemeinste Art und Weise die Offenheit eines Kindes ausgenutzt, um es zu missbrauchen und zu töten", sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "Es ist ein Verfahren, in dem es keine Sieger gibt. Es gibt nur einen Verlierer, und der heißt Mitja", sagte Oberstaatsanwältin Claudia Laube. Die Anwältin von Mitjas Eltern, Ina Alexandra Tust, informierte unmittelbar nach der Urteilsverkündung telefonisch ihre Mandanten. "Sie empfinden das Urteil als gewisse Genugtuung. Mehr geht nicht."

Der Verteidiger von Uwe K., Malte Heise, will prüfen, ob er wegen der Sicherungsverwahrung in Revision geht. Dies entscheide aber sein Mandant. Der gelernte Maurer hatte zum Prozessauftakt am 28. August gestanden, den Schüler am 22. Februar mit zu sich nach Hause genommen, vergewaltigt und erstickt zu haben. K. ist bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen vorbestraft.

Die Kammer ließ keinen Zweifel daran, dass K. die Arglosigkeit von Mitja ausnutzte. Die Begegnung von Opfer und Täter sei zufällig gewesen. Aber bereits unmittelbar danach in der Straßenbahn habe Uwe K. den Entschluss gefasst, das Kind zu missbrauchen. Um das Vertrauensverhältnis zu stärken, habe er Mitja in der Wohnung Kuchen essen und fernsehen lassen.

Durch den fortwährenden Alkoholkonsum sei der Angeklagte in seinem Plan noch bestärkt worden und habe Mitja schließlich vergewaltigt. Um den Missbrauch zu verdecken, habe Uwe K. den Jungen erwürgt. "Die umfassenden Ermittlungen der Polizei haben eine Beweislage geschaffen, die auch ohne Geständnis zur Überführung des Täters geführt hätte."

Wesentlich schwieriger seien die Entscheidungen über die besondere Schwere der Schuld und über eine Sicherungsverwahrung gewesen. "Wir haben zu bedenken, dass es ein eingeschliffenes Verhaltensmuster gibt", sagte Richter Jagenlauf. Uwe K. neige offensichtlich dazu, in Krisensituationen und unter Alkoholeinfluss Straftaten zu begehen. Damit sei die Voraussetzung für eine Sicherungsverwahrung gegeben, für die das Gesetz einen erkennbaren Hang zu Straftaten fordert. Dies habe der Angeklagte selbst eingeräumt, in dem er in seinem Geständnis erklärte, den "Kampf verloren" zu haben.

Für Uwe K. bedeutet das Urteil, dass er mindestens 20 Jahre Haft verbüßen muss, ehe überhaupt eine Strafaussetzung auf Bewährung beantragt werden kann. Sollte die Strafvollstreckungskammer dann einer Bewährung zustimmen, greift zunächst die angeordnete Sicherungsverwahrung. Mitjas Mörder käme also nicht frei. Ob Uwe K. durch seinen pädophilen Trieb weiter für die Allgemeinheit gefährlich ist, muss dann alle zwei Jahre überprüft werden.

Mitjas Leiche war zwei Tage nach dem Verschwinden des Jungen in der Gartenlaube des Angeklagten gefunden worden. Nachbarn gaben der Polizei den entscheidenden Tipp, nachdem zuvor mit Bildern einer Überwachungskamera aus einer Straßenbahn nach K. gefahndet worden war. Darauf war er im Gespräch mit seinem späteren Opfer zu sehen.

Nach Angaben eines Rechtsmediziners musste das Kind massive Schmerzen erdulden. Im Todeskampf wehrte sich der Junge offenbar noch gegen seinen Peiniger. Dieser versuchte nach fast einwöchiger Flucht vor der Polizei in der Nacht zum 1. März, vergeblich seinem Leben mit einem Sprung vor eine Straßenbahn ein Ende zu bereiten.

jjc/dpa/ddp/AP



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