Fall Uli Hoeneß Zwei-Mann-Zelle zum Haftantritt

Wenn der verurteilte Steuerhinterzieher Uli Hoeneß seine Haft antritt, muss er sich auf einfache Verhältnisse einstellen. In den ersten Tagen wird er sich wohl sogar seine Zelle mit einem weiteren Häftling teilen müssen. Ein Besuch in der JVA Landsberg.

Von , Landsberg am Lech


Ein Bett mit dünner Matratze, ein Spind, ein Wandregal, ein Stuhl mit Schreibtisch. Dazu beigefarbene Bodenfliesen, gelbliche Wände, eine Toilette in der Ecke neben der Metalltür und ein Waschbecken vor weißen Kacheln. Gitter vor dem quadratischen Fenster. Das war's auch schon - so sieht sie aus, die typische Gefängniszelle in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech, wo Ulrich Hoeneß in wenigen Wochen seine Haft antreten wird. Unfreiheit auf rund neun Quadratmetern.

Zelle 034 zum Beispiel ist derzeit noch leer. Sie könnte also schon bald Platz für den verurteilten Steuersünder bieten. Es gab schon viele prominente Häftlinge in der Anstalt, die von 1905 bis 1908 errichtet, später erweitert und modernisiert wurde: Der Oetker-Entführer Dieter Zlof etwa oder Karl-Heinz Wildmoser jr., ehemaliger Geschäftsführer des ewigen Bayernrivalen 1860 München, der im Zusammenhang mit dem Bau der Münchner Allianz-Arena wegen Bestechlichkeit und Untreue verurteilt worden war. Adolf Hitler landete hier nach seinem gescheiterten Putsch 1923, wälzte Literatur und schrieb den ersten Band von "Mein Kampf".

"Persönlichkeitserforschung" in der Zugangsabteilung

Aber wohl nie zuvor war das Interesse an dem Gefängnis so groß wie in diesen Tagen, seitdem klar ist, dass Hoeneß hier seine Haft antreten wird. Die Anstalt sah sich deshalb zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst: Mehr als 150 Journalisten konnten sich am Montag in einer rund zweieinhalbstündigen Führung einen Eindruck vom Gefängnisinneren verschaffen, in dem nur männliche Häftlinge untergebracht sind. Ein Tag der offenen Tür, wenn man so will. Man sei von einer Vielzahl von Anfragen regelrecht "überrannt worden", sagte Hannes Hedke, Sprecher des bayerischen Justizministeriums, zur Begründung dieses Schritts.

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Künftiges Hoeneß-Gefängnis: Landsberg öffnet seine Tore
Der Millionär Hoeneß muss sich in Landsberg auf ein einfaches Leben einstellen, das sich nicht von dem seiner Mithäftlinge unterscheiden dürfte. Zwar lobte Franz Röck, Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes, das "sehr entspannte Klima" in der JVA Landsberg, betonte aber auch, dass es in dem Gefängnis "keine Exklusiv- oder Sonderklasse" gebe.

Für Hoeneß dürfte das unter anderem bedeuten, dass er in den ersten Tagen seiner Haft die Zelle mit einem weiteren Gefangenen teilen wird. Neue Häftlinge kämen in der Regel zunächst in einen zehn bis zwölf Quadratmeter großen Zwei-Mann-Haftraum, sagte ein Vertreter des Justizministeriums. Zugangsabteilung, so heißt das im Jargon des Strafvollzugs. In dieser Zeit spreche der Häftling etwa mit Psychologen und Sozialpädagogen, erklärte Anstaltsleiterin Monika Groß. Dabei gehe es unter anderem um Vorlieben und persönliche Verhältnisse. In der Zugangsabteilung, so Groß, finde die "Persönlichkeitserforschung" des Häftlings statt.

Die sogenannte Zugangsphase ist den Angaben der Justizvollzugsanstalt spätestens nach 14 Tagen abgeschlossen, in den ersten drei Monaten der Haft wird dann ein Vollzugsplan für den Häftling erstellt. Ob ein Häftling in den Genuss des offenen Vollzuges komme, entscheide sich stets erst nach einer Prüfungsphase. Dies könne Wochen oder Monate in Anspruch nehmen und sei zudem abhängig von der Reststrafe.

Die Sprache auf Schildern und Hinweisen ist nüchtern und unmissverständlich: "Die Spülküche ist kein Aufenthaltsraum! Nichtbeachtung wird disziplinarisch geahndet", heißt es etwa. Die disziplinarischen Maßnahmen richten sich nach der Schwere des Vergehens und reichen vom Verweis über die Einkaufs- und Fernsehsperre bis hin zum Besuchsverbot und im härtesten Fall bis zum maximal vierwöchigen Arrest.

Kein Handy, kein Computer

Die JVA Landsberg verfüge über ein "recht umfangreiches Freizeitangebot", betonte Anstaltsleiterin Groß am Montag. So gibt es etwa im Gefängnishof ein großes Schachfeld und vier Tischtennisplatten. Neben einem umfangreichen Sportangebot steht eine Bibliothek zur Verfügung. Und dennoch wurde deutlich, dass das Leben in dem Gefängnis vor allem von strikten Regeln und klaren Geboten bestimmt ist: Das sogenannte allgemeine Wecken ist morgens um 5.50 Uhr, das Frühstück folgt 30 Minuten später, um 7 Uhr ist Arbeitsbeginn. Die Mittagszeit beginnt um 12 Uhr, gegessen wird in einem großen Speisesaal mit langen Tischen. Gegen 15.40 Uhr wird das Abendessen ausgegeben, ab 17 Uhr ist Freizeit, um 19 Uhr folgt der "Generaleinschluss" in der Zelle. Besuche sind zweimal im Monat für jeweils zwei Stunden möglich, in bestimmten Fällen werden drei Besuche genehmigt. Handy und Computer sind verboten.

Sollte sich der frühere Präsident des FC Bayern München nach einem Fußballplatz sehnen, hat er Glück - auch den gibt es in der JVA Landsberg. Der Rasen ist allerdings ziemlich holprig. Und vor allem: Seinen Blick kann er nie auf gefüllte Zuschauerränge wie in der Münchner Allianz-Arena schweifen lassen. Stattdessen sind stets zu sehen: eine Gefängnismauer, ein Gitter mit Stacheldraht und ein Wachturm.

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Taiga_Wutz 31.03.2014
1. Wahrscheinlich...
...bewirbt sich Matthäus.
artis 31.03.2014
2. Herrn Hoeneß
wird es im Knast an nichts fehlen das könnt ihr glauben,wenn ich das alles lese kann ich nur lachen, bei dem machen die nicht mal eine Durchsuchung der Sachen die er mitbringt.
Thorkh@n 31.03.2014
3. Also, ich ...
... möchte da nicht hinein müssen ...
artis 31.03.2014
4. Herrn Hoeneß
wird es im Knast an nichts fehlen das könnt ihr glauben,wenn ich das alles lese kann ich nur lachen, bei dem machen die nicht mal eine Durchsuchung der Sachen die er mitbringt.
altefrau99 31.03.2014
5. Glauben sie.....
.....daß Uli Höhnes damit nicht fertig wird? Er weißt, von wo er kommt, er war nicht in der Schickeria der sogenannten feinen Münchner Gesellschaft . Er wird schnell den Respekt bekommen, den er verdient. Und das ist nicht ironisch gemeint. Sie können weiter hetzen , es gelingt ihnen nicht die Leute aufzuwiegeln.
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