Taten verjährt Mutter in Babymord-Prozess freigesprochen

Die Anklage lautete auf Mord, doch das Gericht erkannte lediglich auf Totschlag: Eine Mutter aus Oberfranken ist mehr als 25 Jahre nach der Tötung zweier Säuglinge freigesprochen worden - weil die Taten verjährt sind.


Hof - Gut ein Vierteljahrhundert nach der Tötung ihrer zwei Neugeborenen hat das Landgericht Hof die Mutter der Kinder freigesprochen. Das Gericht wertete die Taten nicht als Mord, sondern als Totschlag. Dieser ist aber bereits verjährt, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Die Frist dafür beträgt 20 Jahre. Eine Entschädigung für ihre Zeit in Untersuchungshaft bekommt die inzwischen 53-jährige Frau nicht.

Die Leichen der in den Achtzigern zur Welt gekommenen Neugeborenen waren vor gut einem Jahr zufällig bei Bauarbeiten für einen Carport im fränkischen Bad Alexandersbad entdeckt worden. "Sie muss mit dieser Bürde leben", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Denn dass sie die Babys nach den heimlichen Hausgeburten unversorgt ließ, sodass sie starben, hat die Frau bereits bei der polizeilichen Vernehmung eingeräumt.

Vor Gericht schwieg sie dann zwar beharrlich, trotzdem ist für die Kammer klar: "Die Angeklagte hat gewusst und gewollt, dass sie versterben." Aber es fehlten die Mordmerkmale wie niedere Beweggründe. Etliche Einzelheiten in dem Fall müssten so viele Jahre nach den Taten im Dunkeln bleiben, sagt der Vorsitzende Richter. "Viele der kriminalistischen Ermittlungen waren schlichtweg nicht mehr durchführbar." Die Leichen seien stark verwest gewesen, die Erinnerung der Zeugen verblasst.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Taten als Mord - der nicht verjährt - gewertet und acht Jahre Haft gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Vor der Geburt der zwei später getöteten Neugeborenen hatte die Frau vier Kinder zur Welt gebracht, eines davon gaben sie und ihr Mann zur Adoption frei.

wit/AFP/dpa



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