Holocaust-Leugnung Williamson wehrt sich gegen Ermittlungen

"Ich glaube, es gab keine Gaskammern." Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt gegen den britischen Bischof Richard Williamson wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Doch der Skandal-Gottesmann setzt sich zur Wehr - mittels eines deutschen Anwalts.

Hamburg - Es sind Worte, die einem den Atem stocken lassen - und inzwischen auch die deutsche Justiz beschäftigen. Da sitzt der britische Bischof Richard Williamson im respektablen Gewand seines Standes, einer schwarzen Soutane, hält kurz inne und formuliert das Unfassbare: Er glaube nicht, dass Millionen Juden in Gaskammern ermordet worden seien.

Auf die überraschte Gegenfrage des Journalisten vom schwedischen Fernsehsender SVT 1 "Also gab es keine Gaskammern?", antwortet Williamson schließlich: "Ich glaube, es gab keine Gaskammern, ja." In Sachen Holocaust schließe er sich den "Revisionisten" an, die glaubten, dass "200.000 bis 300.000 Juden in Nazi-Konzentrationslagern umgekommen sind. Aber keiner von ihnen durch Gas in einer Gaskammer".

Dann schwadroniert der Bischof noch von Schornsteinhöhen und undichten Türen, die heute noch "den Touristen" in Auschwitz-Birkenau gezeigt würden. "Wenn das kein Antisemitismus ist", hakt der schwedische Interviewer nach, "was ist es dann?" Bischof Williamson: "Wenn Antisemitismus schlecht ist, ist er gegen die Wahrheit. Wenn etwas wahr ist, ist es nicht schlecht. Mich interessiert das Wort Antisemitismus nicht."

Der SPIEGEL hatte in seiner Ausgabe vom 19. Januar über das Skandal-Interview berichtet, das im November 2008 im bayerischen Zaitzhofen geführt worden war und am 21. Januar im schwedischen Fernsehen gezeigt wurde. Nachdem der Regensburger Leitende Oberstaatsanwalt, Günther Ruckdäschel, auf den Artikel gestoßen war, leitete er am Morgen des 23. Januar nach eigenen Angaben ein Ermittlungsverfahren gegen Williamson ein. Verdacht: Volksverhetzung.

Inzwischen habe sich ein deutscher Rechtsanwalt mit einer "Einlassung" Williamsons an seine Behörde gewandt, so Ruckdäschel am Dienstag zu SPIEGEL ONLINE. Darin behaupte der Geistliche, mit den beiden TV-Journalisten sei vereinbart gewesen, das Gespräch ausschließlich in Schweden auszustrahlen. Eine Veröffentlichung in Deutschland sei nicht geplant gewesen.

Hintergrund dieser juristischen Volte ist wohl der Umstand, dass es im Volksverhetzungsparagrafen des deutschen Strafgesetzbuchs heißt, die Leugnung des Holocausts müsse "öffentlich oder in einer Versammlung" erfolgen, um strafrechtlich relevant zu sein. Offenbar wird hier versucht, sich der deutschen Strafverfolgung durch die Hintertür zu entziehen.

Der Anwalt habe inzwischen Einsicht in die Ermittlungsakten erhalten, so Ruckdäschel weiter: "Wir überlegen nun, ob wir die schwedischen Journalisten zu den Hintergründen des Interviews befragen."

Dabei könne dann auch geklärt werden, welche Absprachen im Vorfeld getroffen worden seien. Es erschiene jedoch als "nicht wahrscheinlich", dass seine Behörde Bischof Williamson vorlade, so der Leitende Oberstaatsanwalt.

jdl
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