Holzklotz-Prozess Anwälte wollten Zeugenaussagen verhindern

Wie ist Nikolai H.s Geständnis zu bewerten? Die Verteidiger des mutmaßlichen Holzklotzwerfers haben vergeblich versucht, die Aussagen von Beamten zu verhindern, die den Angeklagten vernommen haben. Nach Ansicht der Rechtsanwälte hatten die Polizisten "verbotene Vernehmungsmethoden" angewandt.

Oldenburg - Die Verteidigung wollte die Aussagen von einigen Polizeibeamten und einem Haftrichter verhindern: Da der drogenabhängige Angeklagte bei den Vernehmungen unter Entzugserscheinungen gelitten habe, seien seine Aussagen und sein Geständnis nicht verwertbar, sagten die Anwälte Matthias Koch und Oliver Wallasch am Freitag vor dem Landgericht Oldenburg. Die Ermittler hätten "verbotene Vernehmungsmethoden" angewandt.

So habe der Angeklagte erst nach seinem Geständnis die Ersatzdroge Methadon bekommen, kritisierte Wallasch. Auch bei anderen Befragungen sei falsch mit der Drogenabhängigkeit des Angeklagten umgegangen worden. Weder die Vernehmungsbeamten noch der Haftrichter als Zeugen sollten in dem Prozess aussagen, forderte die Verteidigung in einem Antrag.

Die Kammer wies diesen als unbegründet ab, bezog sich aber zunächst nur auf die beiden für Freitag geladenen Polizisten. Nach Angaben eines Gerichtssprechers wird für die anderen Zeugen erst bei den nächsten Terminen entschieden.

Der Angeklagte hatte nach seiner Verhaftung zunächst eingeräumt, am Ostersonntag einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke geworfen und so eine 33-jährige Frau in einem vorbeifahrenden Auto getötet zu haben. Später widerrief der Mann sein Geständnis.

Die Verteidigung warf den Ermittlern fehlende "Sensibilität für die Drogenproblematik" von Nikolai H. vor. Bei dem langjährigen Heroinabhängigen sei bei den Vernehmungen nur auf körperliche Signale geachtet worden. "Eine psychische Begutachtung ist nicht erfolgt", kritisierte Wallasch.

Die beiden Polizisten, die Nikolai H. als Zeugen verhört hatten, erklärten, sie hätten keinerlei Entzugserscheinungen bemerkt. "Er machte auf mich einen ruhigen Eindruck", sagte ein Beamter.

Entzugserscheinungen seien nicht unbedingt durch äußere Anzeichen erkennbar, erwiderte Wallasch. Menschen könnten ein Verbrechen wahrheitswidrig gestehen, wenn ihnen eine Belohnung versprochen werde. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch das Geständnis vor dem Haftrichter unverwertbar.

Nach dem Wechsel zu einem anderen Pflichtverteidiger hatte der 30-jährige Angeklagte sein ursprünglich abgelegtes Geständnis widerrufen. Anwalt Koch betonte, der Angeklagte habe schon einmal vor zehn Jahren fälschlicherweise die Schuld für einen tödlichen Autounfall auf sich genommen. Es zeige sich damit, dass der Angeklagte "in gewissen Lebenslagen" dazu neige, etwas auf sich zu nehmen, was er nicht getan habe. Seit Freitag verfolgt ein Gutachter das Verfahren, er soll die Glaubwürdigkeit des Angeklagten beurteilen.

han/ddp/dpa
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