Gegner der Homo-Ehe Hunderte demonstrieren für inhaftierte Bürokratin

Die US-Verwaltungsangestellte Kim Davis sitzt in Beugehaft - weil sie sich weigert, gleichgeschlechtlichen Paaren Heiratsunterlagen auszustellen. Der Gefängnisaufenthalt macht die Frau für manche zur Heldin.

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Das Gefängnis von Grayson im US-Bundesstaat Kentucky ist zu einer Art Pilgerort für Gegner der Homo-Ehe geworden. Grund dafür ist Insassin Kim Davis, eine Verwaltungsangestellte. Aus religiösen Gründen weigert sie sich, homosexuellen Paaren amtliche Heiratserlaubnisse auszustellen. Dadurch ist sie berühmt geworden - und im Knast gelandet.

Bundesrichter David Bunning hatte entschieden, Davis müsse so lange in Beugehaft, bis sie ihre Meinung ändere und auch homosexuelle Paare bediene. In der Sache ist keine Lösung in Sicht, Davis wird sich wohl auf einen längeren Gefängnisaufenthalt einstellen müssen.

Die Anwälte der 49-Jährigen sagten, es gebe für ihre Mandantin nur eine akzeptable Lösung: Der Gesetzgeber müsse Leitern von Bezirksverwaltungen wie Davis per Gesetz die Aufgabe entziehen, derartige Urkunden auszustellen. Selbst wenn sich die Politiker dazu durchringen sollten, würde Davis monatelang im Gefängnis bleiben. Denn ein neues Gesetz könnte frühestens im Januar verabschiedet werden.

Davis hatte 27 Jahre als Stellvertreterin ihrer Mutter in der Bezirksverwaltung gearbeitet, ehe sie im vergangenen November selbst auf den Posten gewählt wurde. Nur Kentuckys Parlament könnte sie vorzeitig des Postens entheben - äußerst unwahrscheinlich in dem konservativen Bundesstaat.

"Danke, Kim"

Kritiker sehen in Davis eine Ideologin, die höchstrichterliche Entscheidungen ignoriert. Manche empfinden Davis' Standpunkt zudem als heuchlerisch. Denn an anderer Stelle scheint sie es mit christlichen Werten nicht so genau zu nehmen. Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet, sie sei in vierter Ehe verheiratet, mit ihrem derzeitigen Ehemann Joe bereits zum zweiten Mal. Zwei ihrer vier Kinder seien unehelich zur Welt gekommen. Ein Anwalt sagte, Davis sei der Überzeugung, sie habe lange genug auf dem "Spielplatz des Teufels" gespielt, seither habe sich ihr Leben radikal verändert.

Viele Unterstützer sehen in Davis eine Heldin, die für ihren Glauben einsteht und die Religionsfreiheit verteidigt. Am Samstag versammelten sich nun rund 300 Unterstützer vor dem Gefängnis in Grayson. Sie riefen "Danke, Kim" und nannten sie eine christliche Heldin im Kampf gegen Gottlose. Demonstranten hielten Schilder hoch, auf denen "Nein zu homosexueller Perversion" stand.

"Gott segne euch, und Gott segne Kim Davis", rief Graysons Bürgermeister George Steele den Demonstranten zu, wie der Fernsehsender WKYT berichtete. Viele der Demonstranten waren aus Davis' Standesamtsbezirk Rowan County nach Grayson gekommen, das mehr als 120 Kilometer entfernt ist.

"Sie wird sich nicht beugen, das verspreche ich euch", sagte Davis' Ehemann Joe. Seine Frau sei "bei guter Laune" und bereit, "so lange wie nötig" im Gefängnis zu bleiben. "Sie wird nicht zurücktreten, sie wird ihr Gewissen nicht opfern", teilte Davis' Anwalt mit.

Androhung von Haft zeigt Wirkung

Seit der Oberste Gerichtshof der USA die Homo-Ehe in einem historischen Urteil landesweit legalisierte, befolgt der Großteil der Staatsbediensteten die neuen Regeln. Ein paar hörten wie Davis komplett auf, Heiratserlaubnisse auszustellen - um zu verhindern, dass homosexuelle Paare die Papiere erhalten.

In seinem Urteil hatte Richter Bunning Davis' Stellvertreter angewiesen, ab Freitag gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Laut WKYT willigten fünf ihrer sechs Stellvertreter ein - nur Davis' Sohn widersetzte sich.

Seither erteilten drei der Stellvertreter gleichgeschlechtlichen Paaren amtliche Heiratserlaubnisse - unter der Drohung, andernfalls ebenfalls ins Gefängnis zu müssen. Eines der Paare war zuvor dreimal abgewiesen worden.

Die Sache ist schon längst weit mehr als ein Verwaltungsstreit. Republikanische Präsidentschaftsbewerber versuchen, aus dem Fall Kapital zu schlagen. Für den kommenden Dienstag hat Mike Huckabee eine größere Kundgebung in Grayson angekündigt. Der einstige Baptistenprediger will Davis im Gefängnis besuchen und danach nach eigenen Worten gegen die "Kriminalisierung des Christentums in diesem Land" protestieren.

ulz/AP/AFP

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