Homophobe Gewalt Lesbisches Paar in Londoner Bus verprügelt

Ein brutaler Angriff auf ein lesbisches Paar erschüttert London. Die Frauen waren geschlagen und ausgeraubt worden. Politiker verurteilen die Tat - doch die Zahl homophober Übergriffe in der britischen Hauptstadt steigt.


"Küsst euch!" Mit dieser Aufforderung bedrängte eine Gruppe männlicher Teenager in den frühen Morgenstunden des 30. Mai zwei junge Frauen in einem Bus im Zentrum Londons. Als diese den Aufforderungen nicht nachkamen, wurden sie brutal niedergeschlagen und ausgeraubt.

Sie sei mit ihrer Freundin Chris auf das Oberdeck eines Busses gestiegen, um nach Camden Town zu fahren, schildert die 28 Jahre alte Melania Geymonat den Vorfall auf ihrer Facebookseite. Möglicherweise hätten sie sich geküsst, jedenfalls seien kurz darauf mindestens vier Männer aufgetaucht. Diese hätten sich "wie Hooligans" aufgeführt, sie aufgefordert, sich zu küssen, als Lesben bezeichnet und Sexualstellungen genannt.

Sie habe dann versucht, die Situation mit Witzen zu entspannen, doch plötzlich sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf zunächst ihre Freundin Chris und dann sie selbst niedergeschlagen wurden. Ob sie dabei das Bewusstsein verloren habe, könne sie nicht mehr nachvollziehen. Aus einem Foto, das sie bei Facebook gepostet hat, ist aber klar ersichtlich, dass sowohl sie als auch ihre Freundin schwere Verletzungen im Gesicht erlitten hatten. Beide wurden später in einem Krankenhaus behandelt.

Kurz nach dem Vorfall wurden vier Teenager im Alter von 15 bis 18 Jahren von der Polizei festgenommen und getrennt in verschiedenen Polizeiwachen vernommen. Ein weiterer Jugendlicher im Alter von 16 Jahren ist von der Polizei am Sonnabend festgenommen worden.

Ihnen allen werden schwere Körperverletzung und Raub vorgeworfen. Den Frauen waren, nachdem sie niedergeschlagen worden waren, ein Handy und eine Tasche gestohlen worden.

Die Polizei werte nun auch Videos von Überwachungskameras aus, erklärte Detective Superintendent Andy Cox in einer Stellungnahme der London Metropolitan Police. In der Innenstadt von London gibt es kaum einen Fleck, der nicht mit Kameras überwacht wird. Auch in Bahnen und Bussen sind solche Kameras im Einsatz. Man gehe bereits Hinweisen auf weitere an der Tat Beteiligte nach, sagte Cox.

Einigkeit bei Politikern

Auf Facebook löste der Vorfall eine Welle der Entrüstung und Solidarität aus. Der Facebook-Post, in dem Melania Geymonat den Vorfall beschreibt, bekam binnen 48 Stunden mehr als 20.000 Likes, wurde mehr als 10.000-mal geteilt und mehr als 8000-mal kommentiert.

Anders als bei anderen Themen sind sich britische Politiker in diesem Fall einig. "Das war ein abstoßender frauenfeindlicher Angriff. Hasskriminalität gegen die LGBT+-Gemeinschaft wird nicht toleriert", twitterte etwa Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour Party verurteilt den Übergriff als "absolut schockierend" und ruft zur Solidarität mit Melania und Chris sowie der gesamten LGBT+-Gemeinschaft auf, "wegen all dem, was sie ertragen müssen, nur weil sie sind, wer sie sind."

Die Zahl solcher Angriffe nimmt zu

Die Zahl gemeldeter homophober Übergriffe in London ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Lag die Zahl 2014 noch bei 1488 Fällen, wurden 2018 bereits 2308 solcher Gewalttaten gemeldet - die meisten davon im Zentrum der Stadt, wo auch nachts das Leben tobt und die meisten Touristen unterwegs sind.

Die britische Polizei weist darauf hin, dass dieser Anstieg der Anzeigen, zumindest teilweise, auch auf ein stärkeres Selbstbewusstsein der schwul-lesbischen Gemeinschaft zurückzuführen sein könnte - weil sich mehr Menschen trauen, gewalttätige Übergriffe zu melden. Unabhängig von dieser Einschätzung muss man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer nicht gemeldeter Vorfälle weit höher liegt.

mak



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