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19. Dezember 2014, 18:35 Uhr

Peking

Klinik muss Entschädigung für "Homosexuellen-Therapie" zahlen

Yang Teng wurde hypnotisiert und mit Elektroschocks behandelt, Ärzte wollten ihn so von seiner Homosexualität "heilen". Jetzt hat ein Gericht die chinesische Klinik verurteilt. Ein Novum in dem Land.

Chongqing - In China ist erstmals eine Klinik wegen der umstrittenen "Homosexuellen-Therapie" verurteilt worden. Geklagt hatte Yang Teng: Er warf einer Einrichtung in Chongqing vor, ihn durch den Einsatz von Hypnose und Elektroschocks zur Therapierung seiner Homosexualität traumatisiert zu haben. Die Klinik muss ihm nun eine Entschädigung von umgerechnet etwa 560 Dollar zahlen. Ursprünglich hatte Yang mehr als 2300 Dollar Schmerzensgeld gefordert.

Nach Angaben von Yang und seinem Anwalt Li Duilong muss sich die Klinik auf ihrer Website entschuldigen - sie habe laut Yang behauptet, die Therapie sei harmlos. Das Gericht habe in seinem Urteil erklärt, die Behandlung mit Elektroschocks sei unnötig gewesen, da Homosexualität keine Krankheit sei. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, damit hatte ich nicht gerechnet", sagte Yang.

Er hatte sich im Februar in Therapie begeben, weil seine Familie ihn unter Druck gesetzt habe, zu heiraten und ein Kind zu bekommen. Das Gerichtsurteil wolle er nun seinen Eltern vorlegen, um ihnen zu zeigen, dass Homosexualität aus Sicht der chinesischen Justiz nicht länger eine Geisteskrankheit ist.

Homosexualität gilt in China zwar seit 2001 nicht mehr als Geisteskrankheit, doch Schwule und Lesben werden weiter diskriminiert.

aar/AFP/AP

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