Peking Klinik muss Entschädigung für "Homosexuellen-Therapie" zahlen

Yang Teng wurde hypnotisiert und mit Elektroschocks behandelt, Ärzte wollten ihn so von seiner Homosexualität "heilen". Jetzt hat ein Gericht die chinesische Klinik verurteilt. Ein Novum in dem Land.

Homosexueller Kläger Yang Teng: Erfolg vor Gericht
AP/dpa

Homosexueller Kläger Yang Teng: Erfolg vor Gericht


Chongqing - In China ist erstmals eine Klinik wegen der umstrittenen "Homosexuellen-Therapie" verurteilt worden. Geklagt hatte Yang Teng: Er warf einer Einrichtung in Chongqing vor, ihn durch den Einsatz von Hypnose und Elektroschocks zur Therapierung seiner Homosexualität traumatisiert zu haben. Die Klinik muss ihm nun eine Entschädigung von umgerechnet etwa 560 Dollar zahlen. Ursprünglich hatte Yang mehr als 2300 Dollar Schmerzensgeld gefordert.

Nach Angaben von Yang und seinem Anwalt Li Duilong muss sich die Klinik auf ihrer Website entschuldigen - sie habe laut Yang behauptet, die Therapie sei harmlos. Das Gericht habe in seinem Urteil erklärt, die Behandlung mit Elektroschocks sei unnötig gewesen, da Homosexualität keine Krankheit sei. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, damit hatte ich nicht gerechnet", sagte Yang.

Er hatte sich im Februar in Therapie begeben, weil seine Familie ihn unter Druck gesetzt habe, zu heiraten und ein Kind zu bekommen. Das Gerichtsurteil wolle er nun seinen Eltern vorlegen, um ihnen zu zeigen, dass Homosexualität aus Sicht der chinesischen Justiz nicht länger eine Geisteskrankheit ist.

Homosexualität gilt in China zwar seit 2001 nicht mehr als Geisteskrankheit, doch Schwule und Lesben werden weiter diskriminiert.

aar/AFP/AP



insgesamt 6 Beiträge
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demokroete 19.12.2014
1. Das Gerichtsurteil wird seine Eltern
nicht von ihren konfuzianisch geprägten, gesellschaftlichen Vorstellungen abbringen. Das haben schon ganz andere mit weitaus rabiateren Mitteln während der Kulturrevolution nicht geschafft. 2500 Jahre Tradition lassen sich auch nicht so einfach durch westliche Modeerscheinungen aushebeln. Das sollte Yang Teng doch wohl klar sein.
katkaleen 19.12.2014
2. Immerhin ein Schritt in die richtige Richtung
Mühsam aber stetig ernährt sich das Eichhörnchen, sage ich immer. Egal in welchem Land auf welchem Kontinent, es wird noch einige Jahrzehnte dauern, bis Homosexualität einfach als sexuelle Orientierung angesehen wird. Ich halte es da gerne mit meiner 80jährigen Großtante: "Ist mir doch egal, was jemand im Schlafzimmer macht, wenn es ein netter Mensch ist. Und wenn er nicht nett ist, ist es mir auch egal, dann will ich sowieso nichts mit dem zu tun haben."
BlogBlab 19.12.2014
3.
Zitat von demokroetenicht von ihren konfuzianisch geprägten, gesellschaftlichen Vorstellungen abbringen. Das haben schon ganz andere mit weitaus rabiateren Mitteln während der Kulturrevolution nicht geschafft. 2500 Jahre Tradition lassen sich auch nicht so einfach durch westliche Modeerscheinungen aushebeln. Das sollte Yang Teng doch wohl klar sein.
Homosexualität ist schon viel älter als 2500 Jahre, ebenso wie Heterosexualität, der Wahrscheinlichkeit nach wird es auch chinesische Kaiser beider sexuellen Orientierungen gegeben haben. Das sind beides keine "Modeerscheinungen".
BlogBlab 19.12.2014
4.
Alte historische Quellen, die sich mit der Homosexualität in China befassen, reichen bis in die Shang Dynastie (16. - 11. Jh. vor Chr.) zurück. Allein in der Han Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) gab es 10 homosexuelle Kaiser. Erst 1740 wurde zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte ein anti-homosexuelles Dekret verabschiedet. http://www.chinadaily.com.cn/english/doc/2004-04/01/content_319807.htm
Ulrike E. 20.12.2014
5. Was soll man dazu sagen?
Es fällt natürlich leicht, aus *westlicher Sicht* diese Praxis zu verurteilen. Hat sich einer der Kritiker schon einmal Gedanken, um die Eltern des jungen Mannes gemacht? In China gilt nach wie vor die 1-Kind-Politik und oft wird eine Familie auch daran bemessen, ob sie Nachkommen hat! Es wäre evtl. leichter für die Eltern, wenn sie noch einen *zweiten Sohn* hätten, der den Fortbestand der Sippe sichern könnte. Dies ist leider nicht der Fall. 100-% wird Homosexualität zwar nicht im Westen anerkannt, aber in den meisten Ländern, lässt man die Menschen mit ihren Entscheidungen leben. Das Gerichtsurteil zielte nicht darauf ab, dass die Homosexualität anerkannt wird, sondern, dass die Methoden dieser "Therapie" falsch waren.
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