Andalusien Was über das "Horrorhaus" in Spanien bekannt ist

In einem andalusischen Pflegeheim sollen mehrere ausländische Senioren misshandelt und ausgenommen worden sein. Eine Deutsche starb unter unklaren Umständen. Der Überblick.

Innenhof des "Horrorhauses"
Roman Rios/EPA-EFE/REX

Innenhof des "Horrorhauses"


Ein deutsch-kubanisches Paar soll in Spanien über einen längeren Zeitraum hinweg Rentner eingesperrt, misshandelt und um ihr Geld gebracht haben. Bei den Betroffenen handelt es sich zumeist um Ausländer, die sich Spanien als ihren Altersruhesitz ausgesucht haben.

Die Verdächtigen wurden bereits Ende 2017 festgenommen, der Fall wurde erst jetzt bekannt. Ein maßgeblicher Hinweis kam aus Frankfurt, wo sich im November 2017 eine Frau um ihre Bekannte Maria B. sorgte, die sie in Spanien nicht mehr erreichen konnte.

Maria B. lebte eine Zeitlang im Pflegeheim der Verdächtigen, sie starb laut Frankfurter Polizei Ende 2017 - unter unklaren Umständen. Die spanischen Ermittler schließen ein Tötungsdelikt nicht aus.

Was weiß man über die aus dem "Horrorhaus" geretteten Opfer?

Unter den Opfern befinden sich ein deutscher Rentner und eine niederländische Seniorin, die von der spanischen Polizei befreit wurden. Das teilte die Guardia Civil mit. Ein Sprecher sagte, die beiden seien in einem "fürchterlichen Zustand" gewesen, der sich inzwischen deutlich gebessert habe. Die beiden Rentner wurden laut spanischen Medien in einer Wohnung nahe des "Horrorhauses" gefunden. Diese sei von außen verschlossen gewesen.

Wieso ist vom "Horrorhaus" die Rede?

Die Bezeichnung "Horrorhaus" wählten die Ermittler selbst, um das Pflegeheim in Chiclana de la Frontera zu beschreiben. Am Eingang des Pflegeheimes steht in großen Buchstaben "Villa Germania", wie die spanische Nachrichtenseite "El Español" berichtet.

Chiclana de la Frontera liegt an der Costa de la Luz, in der autonomen Region Andalusien im Süden Spaniens. Wie die Guardia Civil auf Twitter schrieb, seien die Senioren in dem Pflegeheim eingesperrt, unter Drogen gesetzt und mittels Magensonden ernährt worden. Bei den Senioren soll es sich vorwiegend um Ausländer gehandelt haben.

Was ist über die Todesfälle bekannt - und über mögliche Motive?

Die spanische Polizei hat nach eigenen Angaben die Ermittlungen aufgenommen, weil eine 101-jährige deutsche Staatsbürgerin, Maria B., die schon länger in Spanien lebte, als vermisst gemeldet wurde. Ein Hinweis kam aus Frankfurt von einer Bekannten der Seniorin. Die deutschen Behörden gaben die Vermisstenanzeige an Spanien weiter.

Laut spanischen Medien war auch die internationale Polizeiorganisation Interpol eingeschaltet. Eine deutsche Person, die auf den Kanarischen Inseln wohnt, habe Interpol informiert, dass Maria B. ihren Wohnsitz auf Teneriffa verlassen habe und dass ihre Freunde und Familie seit Wochen nichts von ihr gehört hätten. Die spanischen Ermittler spürten die Frau auf und brachten sie in ein sicheres Pflegeheim.

Maria B.
AFP/ Spanish Guardia Civil

Maria B.

In Befragungen gab die deutsche Seniorin an, sie sei von einem deutsch-kubanischen Paar nahe ihrem Haus auf Teneriffa angesprochen und überredet worden, in das Pflegeheim umzuziehen. Ohne Freunde und Familie auf Teneriffa sei das besser.

Im Pflegeheim des Paares ist Maria B. komplett entmündigt worden, wie "El Periódico" berichtet. Sie sei zudem monatelang gefangen gehalten und gefesselt worden. Die Verdächtigen hätten sie dazu gezwungen, mehrere Dokumente zu unterschreiben, damit Maria B. sie als Erben einsetze.

"Im Oktober hatte sie noch mehr als 162.000 Euro auf ihrem Bankkonto", teilte die Guardia Civil mit. "Nachdem das Paar in ihr Leben getreten war, hatte sie Mitte Dezember weniger als 300 Euro." Zudem sei ihr Haus auf Teneriffa verkauft worden, ohne dass sie Geld aus dem Verkauf erhalten habe.

In dem sicheren Heim erholte sich Maria B. zunächst. Doch die Verdächtigen hätten die Seniorin mithilfe einer mutmaßlich gefälschten Vollmacht von dort abgeholt. Fünf Stunden später sei sie, so berichten es spanische Medien, im Auto der Verdächtigen gestorben und auf deren Betreiben sofort eingeäschert worden. Mehrere weitere Senioren, die sich seit vier Jahren in der Obhut der Verdächtigen befanden, seien "unerwartet gestorben", heißt es in dem Statement der Polizei. Auch ihnen seien ihre Ersparnisse abgenommen worden.

Wer sind die Verdächtigen und was wird ihnen vorgeworfen?

Sechs Menschen wurden festgenommen. Sie stehen unter Verdacht, ihre Opfer um mehr als 1,8 Millionen Euro betrogen zu haben. Hauptverdächtige sind eine Kubanerin und ihr Lebensgefährte, der deutscher und kubanischer Staatsangehöriger sein soll. Laut "El Español" sollen die zwei Eheleute Estrella und Markus heißen. Sie sollen sich mit den Senioren angefreundet haben, um sie auszunehmen.

Ihnen werden unter anderem Betrug, Urkundenfälschung, Misshandlung und Geldwäsche vorgeworfen. Das von den Senioren erbeutete Geld soll das Paar in El Palmar de Vejer, zehn Kilometer südlich von Chiclana, investiert haben. Neben den sechs Festgenommenen werden noch neun weitere Menschen verdächtigt, die angeblich Geld in England, Deutschland, Italien und Kuba gewaschen haben.

Wie wurden die Verdächtigen festgenommen?

Nach dem Tod von Maria B. durchsuchte die Guardia Civil das "Horrorhaus" und nahm das deutsch-kubanische Paar fest. Laut "El Periódico" fanden die Ermittler dort zwei Flugtickets nach Kuba und Hinweise darauf, dass das Paar dort Urlaub in einem Luxushotel machen wollte. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Maria B. ermordet worden sein könnte.

skr/kha/AFP/dpa



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