Ibrahim Miri Bremer Clanchef in den Libanon abgeschoben

Der illegal eingereiste Bremer Clanchef Miri ist in den Libanon abgeschoben worden. Die Aktion erfolgte früher als gedacht. Die Behörden konnten nach SPIEGEL-Informationen einen möglichen Befreiungsversuch nicht ausschließen.

Ibrahim Miri
EPA-EFE/ REX

Ibrahim Miri


Das illegal nach Deutschland eingereiste Clanmitglied Ibrahim Miri ist abgeschoben worden. Das teilte das Innenministerium mit. Zuerst hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet.

Am Freitag hatte das Bremer Verwaltungsgericht einen Eilantrag des Inhaftierten abgelehnt und damit den Weg für eine Abschiebung Miris freigemacht. Der mehrfach vorbestrafte Mann sei gegen 10 Uhr von der Bundespolizei an die libanesischen Behörden in der Hauptstadt Beirut übergeben worden, teilte das Innenministerium mit.

Eigentlich war die Abschiebung ab dem 27. November vorgesehen. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Abschiebung nun schneller vollzogen, weil die Behörden einen möglichen Befreiungsversuch nicht ausschließen konnten.

Ein Indiz für die Gewaltbereitschaft war der Besuch von alten Bekannten bei Miri in der Abschiebezelle. Im Bremer Polizeipräsidium tauchten am Donnerstagnachmittag vergangener Woche ein Clanmitglied und ein Freund des 46-Jährigen auf. Einer der Besucher gab am Eingang ein Klappmesser ab. Die Beamten forderten daraufhin Unterstützung an, zwecks sofortiger Durchsuchung, heißt es in einem Protokoll.

"Ich habe 1000 Leute, die euch fertig machen"

Das Clanmitglied wurde daraufhin ausfällig. "Ich will nur Ibrahim besuchen. Ihr könnt mich mal", soll er gerufen haben. Als die Polizeibeamten ihn in einer Arrestzelle durchsuchten, wurde der Verwandte des Abschiebekandidaten offenbar noch wütender: "Ich ficke dich", "Wichser", "Du Nazi" soll er den Beamten beschimpft haben.

Dann folgten laut Protokoll wohl einige Sätze, die man auch als Bedrohung verstehen könnte: "Ihr fühlt euch nur stark, weil wir hier drin sind. Kommt mit auf die Straße. Ich habe 1000 Leute, die euch fertig machen." Der Beamte erstattete eine Anzeige gegen den Besucher, der wütend abzog. Der andere Freund, der sich ruhig verhalten hatte, durfte zu Miri.

Eigentlich hätte die Abschiebung aus der Abschiebehaft vorher angekündigt werden müssen. Darum kündigte die Innenbehörde die Aktion bereits vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichts an.

Aus dem Umfeld der Großfamilie hätten die Sicherheitsbehörden erfahren, dass der Clan mit einer weiteren Abschiebung nicht einverstanden war.

Dann ging alles ganz schnell. Gegen zwei Uhr in der Nacht wurde er aus seiner Zelle geholt. Acht Beamte der Bundespolizei sowie ein Arzt begleiteten Miri zu einem Flughafen, von wo aus er in den Libanon ausgeflogen wurde, wo er um 10 Uhr heute morgen landete.

"Keine Gefahr für Leib und Leben"

Miri war in Deutschland von 1989 bis 2014 insgesamt 18 Mal rechtskräftig verurteilt worden, unter anderem wegen Raubes, schweren Diebstahls, Hehlerei, Unterschlagung und bandenmäßigen Drogenhandels. Erst im März kam er vorzeitig aus dem Gefängnis. Im Juli wurde er dann in den Libanon abgeschoben. Ausreisepflichtig war er bereits seit vielen Jahren. Ende Oktober tauchte er dann wieder in Bremen auf, stellte einen Asylantrag und wurde festgenommen (mehr zu dem Fall lesen Sie hier).

Den Eilantrag des Libanesen hatte das Verwaltungsgericht am Freitag mit der Begründung abgelehnt, dass es keine "ernstlichen Zweifel" an der Rechtmäßigkeit des negativen Asylbescheids des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gebe. Der Clanchef stellte aus Sicht des Gerichtes eine Gefahr für die Allgemeinheit in Deutschland dar. Im Libanon drohe ihm keine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung und auch keine konkrete Gefahr für Leib und Leben wegen "Blutrache".

hen/mho/rol/gud/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.