Prozess in Rheinland-Pfalz Tödlicher Schuss nach Maskenstreit – lebenslange Haft für Angeklagten

Mario N. erschoss vor einem Jahr an einer Tankstelle in Rheinland-Pfalz einen Kassierer. Vorausgegangen war ein Streit über die Einhaltung der Maskenpflicht. Jetzt ist das Urteil in dem Mordprozess gefallen.
Angeklagter Mario N. vor Gericht in Bad Kreuznach (März 2022)

Angeklagter Mario N. vor Gericht in Bad Kreuznach (März 2022)

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Andreas Rentz / Getty Images

Im Prozess um den tödlichen Schuss auf einen Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein ist der Angeklagte Mario N. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach wertete in seinem Urteil die Tat als Mord und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Anders als von Staatsanwaltschaft und der Nebenklage gefordert, stellte die Schwurgerichtskammer aber keine besondere Schwere der Schuld fest. In diesem Fall wäre eine Haftentlassung des 50-Jährigen nach 15 Jahren im Gefängnis rechtlich zwar möglich gewesen, aber in der Praxis so gut wie ausgeschlossen.

Die Verteidigung hatte den Tatvorwurf des Mordes zurückgewiesen. Die beiden Anwälte hatten auf Totschlag mit erheblich eingeschränkter Schuldfähigkeit des Angeklagten plädiert, der nach Schätzung eines Gutachters zum Zeitpunkt des Schusses rund zwei Promille Alkohol im Blut hatte. Ein konkretes Strafmaß nannten sie nicht.

Die Tat am 18. September 2021 an einer Tankstelle im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Nach Ansicht des Gerichts war die rechtsradikale Einstellung des 50-Jährigen und seine Feindschaft gegen den Staat das Hauptmotiv. Den Kassierer habe er als Repräsentanten für den Staat und die in seiner Sicht völlig verfehlte Corona-Politik gesehen. Als der junge Mann auf die Einhaltung der Maskenpflicht bestanden habe, habe Mario N. beschlossen, an ihm »ein Exempel zu statuieren«.

Bei der sechsmonatigen Verhandlung spielte die Frage nach der Täterschaft keine große Rolle, da sie von Anfang an unstrittig war. Mario N. hatte gestanden, aus Wut darüber, dass der junge Kassierer ihm ohne Corona-Maske kein Bier verkaufen wollte, sich zu Hause einen Revolver geholt und bei einem erneuten Besuch in der Tankstelle abgedrückt zu haben. Zudem gab es Videoaufnahmen von der Tat.

Der Angeklagte wurde auch wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt. Die Mutter des 20 Jahre alten Opfers hatte als Nebenklägerin an dem Prozess teilgenommen.

Anklage und Verteidigung prüfen Revision

Oberstaatsanwältin Nicole Frohn zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Es sei wichtig, dass das Gericht die Tat als Mord und nicht als Totschlag gewertet habe. Die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld sei eine Abwägungsfrage, in der das Gericht zu einer anderen Auffassung als die Anklage gekommen sei. Es werde geprüft, ob Revision gegen das Urteil eingelegt werden soll.

Verteidiger Alexander Klein sagte, sein Mandant sei erleichtert, dass keine besondere Schwere der Schuld festgestellt worden sei und das Urteil ihm eine Perspektive nach 15 Jahren lasse. Allerdings würden darin die psychische Verfassung und die besonderen Tatumstände nicht richtig gewürdigt. Daher werde auch die Verteidigung prüfen, ob sie Revision beantragen wolle.

wit/dpa/AFP
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