Immobilienmakler Sodenkamp Rotlicht, Schwarzgeld und ein Mord

Von

2. Teil: Was Sodenkamp mit Revolutionsführer Gaddafi mauschelte


Der umtriebige Jurist war auch mit von der Partie bei der wohl spektakulärsten Finanzakquise des Vereins, die damals sogar die Bundesregierung beschäftigte. Der Verein wollte den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi als Sponsor gewinnen. Um aller Welt zu zeigen, dass es sich bei Aktion nicht um einem plumpen PR-Gag handelt, organisierte Sodenkamp 1987 eine Pressereise nach Tripolis, inklusive einer Audienz beim "Denker Gaddafi" im Beduinenzelt. Sodenkamp und seine Reisegruppe wurden in der Tat vom libyschen Staatschef empfangen, ob aber die aus Tripolis avisierten 1,5 Millionen Mark jemals flossen, ist bis heute unklar. Der Verein ging wenig später pleite.

Für Sodenkamp hingegen sollte sich das Eishockey-Engagement als äußerst lohnend erweisen. Er stieg in den Stahlhandel ein, erst als juristischer Berater eines Stahlhändlers, der einer der Hauptsponsoren des Clubs war, später dann ging er nach Tschechien zu einer Stahlhütte als Verkaufsmanager.

Sodenkamps Nachfolgerin setzte sich ins Ausland ab

In Westfalen war in den neunziger Jahren der Boden für den Halbwelt-Advokaten zu heiß geworden, er war ins Visier der Staatsanwaltschaft Hagen geraten. Seine Kanzlei hatte er pro forma einer jungen Kollegin übergeben, die allerdings später ebenfalls ihre Zulassung verlor und sich erst einmal für mehrere Monate in die Dominikanische Republik absetze, als die Staatsanwaltschaft Münster sie als Zeugin suchte. Es ging um einen Brand, ausgerechnet in dem Saunaclub, mit dem schon Sodenkamp Geschäfte gemacht haben soll.

Doch auch während des tschechischen Exils ließ Sodenkamp den Kontakt zu den alten Eishockey-Freunden nicht abreißen. Und als er schließlich Anfang 2003 wieder nach Westfalen zurückkehrte, erwartete ihn einer davon schon mit offenen Armen: Udo Krollmann, der einstige Autoverleiher, war inzwischen ein vermögender Immobilienhändler und Besitzer von mehreren Grundstücksgesellschaften geworden, er heuerte Sodenkamp als Berater an. Schließlich war Krollmann gerade dabei, das Geschäft aus der westfälischen Provinz nach Berlin, in die Hauptstadt, zu verlagern

Die beiden drehten nun große Räder und bewegten sich in der feinen Welt von Finanzinvestoren und Immobilientycoonen; gespeist wurde nun in Sterne-Lokalen, entspannt in gediegenen Etablissements, wie "Harry's New York Bar" im Berliner Esplanade-Hotel. Und wie es sich für Männer von Welt gehört, kamen Provisionen, mitunter im hohen sechsstelligen Bereich, nun nicht mehr bar im Koffer, sondern wurden diskret über eine Liechtensteiner Anstalt auf ein verschwiegenes Konto bei der Zürcher UBS-Bank überwiesen.

Warum musste der Berliner Immobilienmakler sterben?

Krollmann und sein Berater Sodenkamp hatten 2006 einen Millionendeal erfolgreich abgewickelt. Rund 2000 Wohnungen größtenteils in Berlin und Kassel, die die Krollmann-Gesellschaften von dem damals noch bundeseigenem Wohnungsunternehmen Gagfah erst kurz zuvor erworben hatten, wurden mit Gewinn weiterverkauft an die Tower Group, einem dänischen Finanzinvestor, der groß ins deutsche Immobiliengeschäft einsteigen wollte.

Bestandteil des Geschäftes war auch ein lukrativer Verwaltervertrag. Damit übertrug die Tower Group Krollmanns Alpha Immobilien, bei der nun Sodenkamp als Geschäftsführer fungierte, das Management nicht nur für die von Krollmann erworbenen Immobilien, sondern für ihren damaligen gesamten Haus- und Grundstücksbesitz in Deutschland.

Die Dänen waren flächendeckend auf Einkaufstour gegangen. Und wie so manche Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland kauften sie nicht nur erste Wahl, sondern mitunter marode Gebäude mit hohem Leerstand. Mehrere hundert Wohnungen in den Berliner Stadtteilen Wedding und Neukölln, die die Tower Group gekauft hatte, waren dringend sanierungsbedürftig. Im Herbst 2007 vergab das Unternehmen einen Sanierungsauftrag mit einem Volumen von über vier Millionen Euro. Doch nicht etwa ein großes Bauunternehmen kam bei den Dänen zum Zug, sondern ein kleiner Malerbetrieb, der noch ein Jahr zuvor knapp an der Pleite vorbei schrammte: die Willbau GmbH und damit die beiden Männer, die von der Staatsanwaltschaft beschuldigt werden, den Mord an Sodenkamp in Auftrag gegeben zu haben.

Der Mordfall Sodenkamp bietet Stoff für einen Krimi

Mit dieser fragwürdigen Auftragsvergabe beginnt nun ein regelrechter Krimi - ein Stoff, der scheinbar weniger ins Berliner Handwerkermilieu passt, sondern eher in die Welt aus Rotlicht und Immobilienfilz, der Welt des Friedhelm Sodenkamp. Und dennoch, folgt man der Staatsanwaltschaft, sollen es die Handwerker Benjamin L. und Thorsten L. gewesen sein, die das Stück zum Krimi machten, bei dem Sodenkamp die Rolle des Aufrechten und Unbestechlichen gab.

Anfangs lief für die beiden Tower-Auftragnehmer alles bestens. Rechnungen wurden offenbar kaum geprüft, aber anstandslos bezahlt. Der zuständige Tower-Projektleiter schien grenzenloses Vertrauen in die Sanierungsnovizen zu haben. 1,5 Millionen Euro flossen an den Malereibetrieb und die Subunternehmer, die Thorsten L. und Benjamin L. für die Renovierungsarbeiten geheuert hatten.

Doch dann tauchte im vorigen Sommer Sodenkamp auf. Der Chef der Alpha-Immobilien hatte angeblich überhöhte Rechnungen entdeckt und soll auf hundsmiserable Leistungen der Willbau gestoßen sein, die eigentlich auch den Auftraggebern von Tower hätten auffallen müssen. Sodenkamp legte dem Tower-Vorstand Indizien für seine Anschuldigungen vor, im September schließlich stoppte die Tower Group weitere Zahlungen vorerst.

Welches Motiv hätten Thorsten L. und Benjamin L. gehabt?

Noch waren Thorsten L. und Benjamin L. guter Dinge. Schließlich hatten sie einem Tower-Vorstand, wie aus einem Schreiben des Willbau-Insolvenzverwalters hervorgeht, eine Wohnung in Nizza renoviert. Der Insolvenzverwalter bezifferte die Leistung auf exakt 260.317 Euro und 26 Cent. Der Vorstand beteuert dagegen, er habe die Renovierung privat bezahlt. Vielleicht lag es auch diesem Nebengeschäft, dass die Tower Group die Unstimmigkeiten geräuschlos beilegen wollten. Doch Sodenkamp soll Stimmung gegen einen Vergleich gemacht haben. Was dafür der wirkliche Grund war, liegt bisher noch im Dunkeln.

Bei Willbau wurde die Lage aber langsam prekär. Zahlungen von 1,3 Millionen Euro waren blockiert, der Gang zum Insolvenzrichter nur noch eine Frage der Zeit. Da besann sich Thorsten L. eines flüchtigen Bekannten, der über ganz spezielle Kenntnisse bei der Lösung derartiger Probleme verfügte. Der Pole Adam M., Experte im Vermitteln günstiger Arbeitskräfte aus Osteuropa und ehemaliger Fremdenlegionär, sollte sich der Sache annehmen. Noch im September soll es dann zu einem ersten Treffen gekommen sein. Ein Honorar von 10.000 Euro plus Spesen wurde M. in Aussicht gestellt. Für ein paar Monate aus dem Verkehr ziehen sollte er Sodenkamp, erklärte Thorsten L. bereits kurz nach seiner Festnahme. "Von Mord sei nie die Rede gewesen", beteuerte der ehemalige Gerüstbauer.

Am Abend des 3. November wurde Sodenkamp bei einem Spaziergang auf der Fischerinsel von hinten erschossen. Zwei Kugeln trafen ihn in den Rücken, einer in den Kopf, den dritten Schuss abgefeuert aus nächster Nähe. Kurz darauf verschwand Adam M. aus seiner Wohnung im vierten Stock eines Mietshauses in Berlin Friedenau, wenige Tage später flog er nach London und von dort ins indische Goa, wo er am 14. März dieses Jahres festgenommen wurde. M. sitzt in Delhi in Auslieferungshaft und bestreitet jede Tatbeteiligung.

Doch so sehr auch noch Details der Tat im Dunkeln liegen, in einem ist sich Udo Krollmann, der langjährige Weggefährte des Opfers, sicher: Hätte die Tower Group "konsequent nach Hinweisen auf kriminelle Machenschaften der Willbau den Cut gemacht, wäre Sodenkamp wohl noch am Leben". Die einst für beide Seiten so einträgliche Geschäftsverbindung zwischen den Dänen und Krollmann jedenfalls hat Sodenkamps Tod gekappt. Krollmann verwaltet keine Tower-Immobilien mehr. Auch in anderen Geschäften haben sich die Wege getrennt.



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.