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"Chain Gang" in Arizona: In Ketten

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Weibliche "Chain Gang" Die Kettenfrauen von Arizona

Eine staubige Straße in der Wüste, die Sonne brennt, Häftlinge in Ketten jäten Unkraut. Klingt wie ein Film? Ist aber Arizona im 21. Jahrhundert. Dort verrichten Frauen eine Arbeit, die sonst überall abgeschafft ist. Und das auch noch freiwillig.

Hamburg - Um sechs Uhr morgens geht's los: Die Frauen reihen sich auf, marschieren zum Bus und werden von Gefängniswärtern zur Arbeit gefahren. Sie tragen orangefarbene Signalwesten über der schwarz-weiß gestreiften Häftlingskleidung und sind mit Fußfesseln aneinandergekettet. Bei brütender Hitze jäten sie Unkraut am Rande einer staubigen Straße.

Klingt nach einer Filmszene, einem alten Südstaatenepos vielleicht? Ist es aber nicht. Die Frauen sind Häftlinge im Maricopa County im US-Bundesstaat Arizona und bilden die einzige weibliche chain gang der Vereinigten Staaten.

Chain gangs waren eine vor allem in den Südstaaten der USA verbreitete Bestrafungspraxis. Sie wurden 1955 abgeschafft und vierzig Jahre später von einigen Bundesstaaten wieder eingeführt - meist jedoch nur für kurze Zeit. Die Praxis gilt heute als unzeitgemäß. Nicht so in Arizona. Zu Maricopa County gehört sogar die Landeshauptstadt Phoenix.

"Chain Girls" nennt sich die Gruppe selbst. Die Frauen sammeln Müll in öffentlichen Parks und helfen auch schon mal bei der Beerdigung von vereinsamten und mittellosen Bürgern - immer in kleinen Gruppen durch Fußketten verbunden. Der Job ist durchaus schweißtreibend. In Arizona kann es in der Sommersonne über 45 Grad heiß werden.

Die meisten der Frauen büßen für vergleichsweise harmlose Delikte: Alkohol am Steuer oder Verstöße gegen Bewährungsauflagen. Sie sind in Militärzelten neben dem Estrella-Gefängnis untergebracht und melden sich freiwillig zur Arbeit in der chain gang.

Man komme so für ein paar Stunden raus, sagt Mickey Haas, die wegen Alkohol- oder Drogenmissbrauchs am Steuer verurteilt wurde. Es sei außerdem eine gute Story, fügt ihre Leidensgenossin Honi Simmons hinzu. "Ich denke, die Menschen werden vermutlich nie glauben, dass ich in einer chain gang war."

hut
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