In China zum Tode verurteilt Kanada bittet um Gnade

Ottawa hat Peking im Fall eines wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilten Kanadiers um "Milde" gebeten. Kanada und China sind seit Wochen auf Konfrontationskurs.

Kanadier Robert Lloyd Schellenberg vor einem Gericht in Dalian in der Provinz Liaoning
AP

Kanadier Robert Lloyd Schellenberg vor einem Gericht in Dalian in der Provinz Liaoning


Der Fall des Kanadiers Robert Lloyd Schellenberg verschärft die Spannungen zwischen Ottawa und Peking. Ein Gericht im Nordosten Chinas hatte den 36-Jährigen am Montag wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt.

Jetzt bat die kanadische Regierung um Milde: "Wir haben bereits mit Chinas Botschafter in Kanada gesprochen und ein Gnadengesuch eingelegt", sagte Außenministerin Chrystia Freeland. In Kanada gibt es die Todesstrafe nicht. "Wir glauben, dass sie unmenschlich und unangebracht ist und wann immer sie einem kanadischen Staatsbürger oder jemand anderem droht, sprechen wir uns dagegen aus."

Nach der Urteilsverkündung hatte Kanadas Premierminister Justin Trudeau erklärt, seine Regierung sei extrem besorgt angesichts dieser Entscheidung, die er als willkürlich bezeichnete.

China hatte die Kritik entschieden zurückgewiesen. "Wir fordern die kanadische Regierung dringend auf, den Rechtsstaat und Chinas juristische Souveränität zu respektieren, Fehler zu korrigieren und keine unverantwortlichen Kommentare mehr abzugeben", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying. China sei nicht das einzige Land, das hart gegen Drogenverbrechen vorgehe, da diese der Gesellschaft extrem schadeten. Zudem seien alle Menschen vor dem Gesetz gleich, so die Sprecherin.

Vergeltung für Festnahme von Huawei-Finanzchefin?

Die Spannungen zwischen beiden Ländern hatten sich nach der Festnahme von Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Vancouver Anfang Dezember verschärft. Der Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei wird in den USA Bankbetrug im Zusammenhang mit Verstößen gegen Sanktionen gegen Iran vorgeworfen.

In China werden seitdem zwei Kanadier festgehalten, denen vorgeworfen wird, in Aktivitäten verwickelt zu sein, die "die nationale Sicherheit gefährden". Manche Kritiker werten die Inhaftierungen als chinesische Vergeltung für das Vorgehen gegen die Chinesin.

Robert Lloyd Schellenberg beteuert seine Unschuld. Er kann das Todesurteil binnen zehn Tagen anfechten. Der Kanadier war im November zunächst zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, dann änderte ein Gericht diese Strafe in ein Todesurteil ab. In China drohen überführten Drogenschmugglern lange Haftstrafen oder die Todesstrafe.

Experten vermuten, dass der Fall bis zum obersten chinesischen Gericht gehen könnte und dieses die Berufung so lange in der Schwebe lässt, bis das Schicksal der Huawei-Finanzchefin geklärt ist.

ala/dpa/AFP



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