Indien Achtjährige vergewaltigt und ermordet - sechs Männer verurteilt

Das Kind wurde entführt, eingesperrt, missbraucht und umgebracht: In Indien hat ein Gericht sechs Männer wegen Mordes an einer Achtjährigen verurteilt. Sie sollen ein perfides Ziel verfolgt haben.

Ein Polizist eskortiert den Polizeibus mit den Angeklagten.
NARINDER NANU/ AFP

Ein Polizist eskortiert den Polizeibus mit den Angeklagten.


Ein Gericht hat in Indien mehrere Männer schuldig gesprochen, ein achtjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Das Kind gehörte zu einer muslimischen Minderheit, die als Nomaden und Hirten in den Wäldern Kashmirs lebt. Der Fall hatte in ganz Indien Proteste ausgelöst.

Das Gericht verurteilte drei der Männer zu einer lebenslangen Haftstrafe, sie sollen das Mädchen missbraucht und getötet haben. Die Anklage hatte die Todesstrafe gefordert. Die anderen drei Verurteilten - alle Polizisten - halfen nach Überzeugung des Gerichts, Beweise zu beseitigen. Sie sollen fünf Jahre ins Gefängnis. Einen siebten Angeklagten sprach der Richter mangels Beweisen frei.

Das Mädchen hatte im Januar 2018 die Ponys seiner Familie gehütet, als es entführt wurde. Den Männern wird vorgeworfen, das Kind mehrere Tage in einem Tempel festgehalten und immer wieder sexuell missbraucht zu haben. Anschließend wurde die Achtjährige gewürgt und mit Steinen geschlagen, bis sie starb.

Medienaufgebot rund um die Urteilsverkündung
NARINDER NANU/ AFP

Medienaufgebot rund um die Urteilsverkündung

Der Fall hatte in ganz Indien Entsetzen ausgelöst. Nach landesweiten Protesten hatte die Regierung die Möglichkeit einer Todesstrafe für Vergewaltiger von Kindern unter zwölf Jahren eingeführt. Zuvor konnte maximal eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.

"Mit diesem Urteil hat die Wahrheit gesiegt", sagte der Anwalt der Familie. "Das Mädchen und ihre Familie haben heute Gerechtigkeit erfahren. Wir sind zufrieden."

Gezielter Angriff, um die Nomaden zu vertreiben

Der 15-seitigen Anklageschrift zufolge handelte es sich um eine geplante Tat. Die Männer verfolgten demnach das Ziel, die muslimischen Nomaden aus der Region zu vertreiben. Zwischen den Nomaden und der ansässigen hinduistischen Bevölkerung kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten, unter anderem über die Verteilung von Land.

Radikale Hindus hatten nach den Festnahmen mit Protesten die Freilassung der Festgenommenen gefordert. Der Fall hatte die religiösen Spannungen im Bundesstaat Jammu und Kaschmir im Himalaya angefacht. Er ist ohnehin von Konflikten geprägt. Seit Jahrzehnten fordern dort muslimische Aufständische eine Abspaltung von Indien.

Die Verhandlung hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Stadt Pathankot stattgefunden - rund 70 Kilometer entfernt vom Tatort im Nachbarstaat Himachal Pradesh. Indiens oberstes Gericht hatte den Prozess dorthin verlegt, nachdem die Familie des Mädchens und seine Anwälte von Todesdrohungen berichtet hatten.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und auch Kinder ist in Indien weit verbreitet. Zwischen 2012 und 2016 stieg die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen offiziellen Statistiken zufolge um 60 Prozent auf 40.000. Die tatsächliche Zahl liegt deutlich höher, da vor allem in ländlichen Gebieten viele Fälle nicht gemeldet werden.

irb/AP/dpa/Reuters



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