Wegen umgerechnet 45 Cent Mann gewinnt jahrzehntelangen Rechtsstreit mit indischer Bahn

Weil er 20 Rupien zu viel für zwei Bahntickets bezahlt hat, zog Tungnath Chaturvedi im vorigen Jahrhundert vor Gericht. Mehr als hundert Anhörungen später bekam er recht – und 15.000 Rupien.
Ein Zug in Mumbai

Ein Zug in Mumbai

Foto: IMAGO/Hindustan Times

»Zwei Tickets nach Moradabad, bitte.«

So oder ähnlich hat sie wohl angefangen, die Odysee von Tungnath Chaturvedi, die 1999 am Bahnhof im nordindischen Mathura Cantonment begonnen hat – und nun, 22 Jahre später, mit einem Urteil vor Gericht endete. Und das alles wegen 20 Rupien, umgerechnet 25 Cent, damals Berechnungen zufolge wohl rund 45 Cent. Ihm gegenüber: eine Regionalgesellschaft der staatlichen indischen Eisenbahngesellschaft.

1999 kaufte Chaturvedi besagte Fahrscheine für je 35 Rupien. Er gab 100 Rupien, bekam vom Bahnmitarbeiter aber nur zehn Rupien zurück, wie die britische BBC berichtet . Darauf hingewiesen weigerte sich der Mitarbeiter, die restlichen 20 Rupien zurückzuerstatten und zog damit den Ärger des Mannes auf sich.

Chaturvedi, selbst Anwalt, zog vor ein sogenanntes Verbrauchergericht in Mathura, ein spezielles Gericht in Indien, das sich hauptsächlich mit verbraucherbezogenen Konflikten und Beschwerden beschäftigt, gleichzeitig aber häufig völlig überlastet ist. Daher kommt nicht selten vor, dass Klagende 10 oder 15 Jahre auf ein Urteil warten müssen.

Auf Obersten Gerichtshof berufen

»Ich habe an mehr als hundert Anhörungen im Zusammenhang mit diesem Fall teilgenommen«, sagte Chaturvedi der BBC. »Aber man kann die Energie und die Zeit, die ich mit diesem Fall verloren habe, nicht beziffern.« Seine Familie habe ihn mehrfach gebeten, die Sache ruhen zu lassen, es sei doch nur Zeitverschwendung. Doch der heute 66-Jährige wollte nicht aufgeben.

Auch nicht, als die Bahngesellschaft den Fall mit der Begründung abweisen lassen wollte, dass Beschwerden gegen die Bahn vor einem speziellen Eisenbahn-Schiedsgericht verhandelt werden sollten. »Aber wir haben ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2021 herangezogen, um zu beweisen, dass die Angelegenheit vor einem Verbrauchergericht verhandelt werden kann«, sagte Chaturvedi.

»Es ging immer um den Kampf für Gerechtigkeit und den Kampf gegen Korruption, also war es das wert.«

Tungnath Chaturvedi

Und so kam es, dass Chaturvedis Reise durch das überlastete Rechtssystem Indiens nach 22 Jahren zu seinen Gunsten endete. Das Gericht wies die Bahn in dem Urteil an, die 20 Rupien mit zwölf Prozent Zinsen pro Jahr von 1999 bis 2022 zu erstatten – und verurteilte die Gesellschaft außerdem zu einer Geldstrafe von 15.000 Rupien (183 Euro).

»Es geht nicht um das Geld. Es ging immer um den Kampf für Gerechtigkeit und den Kampf gegen Korruption, also war es das wert«, sagte Chaturvedi der BBC. Niemand dürfe mit Fehlverhalten davonkommen, »unabhängig von der offiziellen Bezeichnung«. Tungnath Chaturvedi hofft nun, dass sein Fall anderen Menschen zeigt: »Man muss nicht aufgeben, auch wenn der Kampf hart aussieht.«

sak
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