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Gewalttat in Indien Touristin erhält nach mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung 11.000 Euro Entschädigung

Mehrere Männer sollen eine spanisch-brasilianische Touristin vergewaltigt haben. Noch in dieser Woche soll sich ein Gericht mit dem Fall beschäftigen, wohl auch weil Auswirkungen auf den Tourismus befürchtet werden.
Mutmaßliche Täter im Fall der Gruppenvergewaltigung

Mutmaßliche Täter im Fall der Gruppenvergewaltigung

Foto: Dumka Police / X

Eine spanisch-brasilianische Touristin, die in Indien bisherigen Ermittlungen zufolge Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden ist, hat eine Entschädigung von einer Million Rupien (gut 11.000 Euro) erhalten. Die örtliche Polizei überreichte dem Lebens- und Reisepartner der Videobloggerin vor Reportern einen entsprechenden Scheck, wie ein Video der indischen Nachrichtenagentur ANI zeigt. Opfer von Sexualverbrechen haben in Indien ein Recht auf eine finanzielle Ausgleichszahlung.

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Mehrere Verdächtige waren nach der Tat am vergangenen Freitag festgenommen worden. »India Today«  zufolge handelt es sich um drei der sieben mutmaßlichen Täter. Bereits in dieser Woche soll sich ein Gericht mit dem Fall beschäftigen – was in Indien bei Vergewaltigungen ungewöhnlich rasch ist. Vom Gericht hieß es demnach: »Eine Sexualstraftat gegen eine Ausländerin dürfte dem Land Negativwerbung bringen und dadurch das Bild Indiens in der Welt beeinträchtigen.« Zudem bestehe die Gefahr, dass der Tourismus Schaden nehme.

Das Paar berichtete in einem inzwischen gelöschten Video auf Instagram, dass es geschlagen worden und die Frau von sieben Männern vergewaltigt worden sei. Die Tat geschah nach Behördenangaben im Bundesstaat Jharkhand, als die beiden Reisenden die Nacht in einem Zelt verbrachten. Die Polizei habe sie anschließend in ein Krankenhaus gebracht, wo medizinische Tests eine Vergewaltigung bestätigt hätten. Die beiden sind seit mehreren Jahren mit ihren Motorrädern auf Weltreise, ihre Erlebnisse teilen sie mit ihren mehr als 240.000 Followern.

In Indien – dem bevölkerungsreichsten Land der Welt mit 1,4 Milliarden Einwohnern – werden nach offiziellen Zahlen im Schnitt jeden Tag 86 Frauen und Mädchen vergewaltigt. Diese Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2021. Dazu kommen weitere Opfer, die nie zur Polizei gehen. Viele Inderinnen schweigen über solche Erlebnisse. Das Problem liegt Frauenrechtsaktivisten zufolge in der patriarchalen Gesellschaft. Sie werfen zudem der Polizei und dem Justizsystem vor, Opfer sexueller Gewalt zu wenig ernst zu nehmen. Viele Fälle bleiben demnach jahrelang liegen, Verurteilungen sind selten. Große Aufmerksamkeit – wie derzeit der Fall der Touristin – erhalten nur wenige Fälle.

bbr/dpa