Vergewaltigungsfall in Neu-Delhi Jüngster Täter kommt aus Haft frei

Vor drei Jahren wurde eine junge Frau von sechs Männern vergewaltigt und gefoltert. Nun soll der jüngste Täter aus dem Jugendarrest entlassen werden. Die staatliche Frauenkommission will diese Gerichtsentscheidung nicht hinnehmen.


Einer der Vergewaltiger und Mörder einer 23-jährigen Inderin soll nach dem Absitzen seiner Haftstrafe in wenigen Tagen entlassen werden. Ein Gericht in der Hauptstadt Neu-Delhi erklärte, seine Inhaftierung könne nicht verlängert werden, weil der Verurteilte die im Jugendrecht geltende Höchststrafe von drei Jahren abgesessen habe.

Der heute 20-Jährige war zum Tatzeitpunkt noch minderjährig. Die Behörden sollten in den kommenden zwei Jahren überwachen, ob er sich wieder in die Gesellschaft eingliedere, teilte das Gericht mit. Das Sozialamt kümmere sich um ihn, sagte Regierungsanwalt Anil Soni.

Sechs Männer hatten im Dezember 2012 die junge Frau in einem Bus entführt, vergewaltigt und gefoltert. Sie starb knapp zwei Wochen später an ihren inneren Verletzungen. Das Verbrechen sorgte weltweit für Empörung. Tausende junge Inder demonstrierten gegen Gewalt gegen Frauen.

In dem Fall wurden insgesamt sechs Männer angeklagt. Einer von ihnen starb während der Haft - offenbar in Folge eines Suizids. Die vier übrigen wurden zum Tode verurteilt, legten aber Berufung ein. Ihnen droht der Galgen.

Eine Vertreterin der staatlichen Frauenkommission kündigte an, vor dem höchsten Gericht die Freilassung des jüngsten Täters anzufechten. Außerdem werde sie an Präsident Pranab Mukherjee schreiben.

Die Eltern des Opfers hatten wiederholt gefordert, der junge Mann müsse wie die anderen Täter bestraft werden. Er sei eine Gefahr für die Gesellschaft. Der Vater der jungen Frau hatte am Mittwoch gerügt, dass sich nach dem brutalen Verbrechen gegen seine Tochter die Lage der Frauen in Indien kaum verbessert habe.

wit/dpa/AFP

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