Hunderte Polizisten im Einsatz Schlacht um einen indischen Guru

Weil er nicht vor Gericht erscheinen will, hat sich ein indischer Guru in seinem Ashram verschanzt - beschützt von Tausenden Anhängern. Nun hat die Polizei sein Anwesen gestürmt. Gefasst wurde er trotzdem nicht.

REUTERS

Neu-Delhi - Seit Tagen schon haben in Indien Tausende Anhänger die Festnahme ihres spirituellen Anführers verhindert. Als die Polizei jetzt das weitläufige Gelände des Gurus Baba Rampal mit einem Großaufgebot stürmte, wurden nach offiziellen Angaben 190 Menschen verletzt. Die Anhänger verteidigten den stark befestigten Ashram mit Steinen, Schusswaffen sowie kleinen Säurebeuteln und Molotowcocktails. Die Polizei ging mit Baggern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Aufständischen vor.

Ein Gericht im nordindischen Chandigarh hatte die Festnahme Rampals angeordnet, weil er in einem Mordfall mehrfach nicht zu Anhörungen erschienen war. Im Jahr 2006 sollen Rampals Anhänger auf seine Weisung hin auf Dorfbewohner geschossen haben. Sein Anwalt erklärte in lokalen Medien, Rampal sei krank und könne deswegen nicht vor Gericht erscheinen.

Gurus wie Rampal sind in Indien oft ungeheuer populär und haben Zehntausende, Hunderttausende oder sogar Millionen von Anhängern. Der 63-Jährige wurde nach eigenen Angaben als Kind von Farmern geboren. Jahrelang arbeitete er als Techniker im Amt für Bewässerung der Landesregierung von Haryana, ehe er sich zum spirituellen Anführer erklärte.

Pensionierte Soldaten kämpfen für den Guru

Der Guru verschanzt sich seit mehr als einer Woche in seinem Satlok Ashram im Distrikt Hisar im Bundesstaat Haryana. Seine Anhänger hätten menschliche Ketten um das Gelände gebildet, sagte S. N. Vashisht, Polizeichef von Haryana. Hunderte Polizisten seien zusammengezogen worden, um gegen die Fanatiker vorzugehen. Frauen und Kinder seien in zwölf Busladungen weggefahren worden.

"Der Widerstand wurde von pensionierten Polizisten und Soldaten organisiert, die Anhänger von Baba Rampal sind", sagte Vashisht weiter. Unter den 105 verletzten Polizisten seien auch zwei mit Schussverletzungen. 85 Anhänger von Rampal seien behandelt worden.

Trotz stundenlanger Kämpfe hätten seine Männer am Dienstag nicht zu Rampal vordringen können, weil er von selbst ernannten "Kommandotruppen" geschützt werde, sagte Vashisht. "Die Anhänger von Baba Rampal haben den Ashram in eine Festung verwandelt und eine Privatarmee gebildet, die offen die Autorität der Regierung, der Polizei und des Gerichts angreift", sagte auch Anupam Gupta. Sie war in dem Fall vom Gericht als Vermittlerin bestellt worden.

In der vergangenen Woche hatte die Polizei zunächst alle Fahrzeuge gestoppt, die in den Ashram wollten. Dann schalteten die Behörden Strom und Wasser ab. "Per Lautsprecher haben wir mitgeteilt, dass alle Menschen herauskommen sollen", sagte ein Polizist vor Ort. Zunächst ohne Erfolg. Nun bleibe der Ashram eingekesselt, bis Rampal gefunden sei, sagte Vashisht.

wit/dpa



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