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Indonesien: Vorbereitungen auf den Tod

Foto: BEAWIHARTA/ REUTERS

Bevorstehende Hinrichtungen in Indonesien Das letzte Bild

Trotz aller internationalen Proteste: Indonesien will in den nächsten Tagen zehn verurteilte Drogenschmuggler hinrichten - unter ihnen zwei Australier. Dabei sind die Männer ein Musterbeispiel für gelungene Resozialisation.

Myuran Sukumaran ist ein Künstler. Seine Gemälde wurden schon in London, Toronto, Sydney und Amsterdam ausgestellt. Am liebsten malt er Porträts. Sein jüngstes Werk hat den Titel "Selbstporträt. 72 Stunden haben gerade angefangen." Höchstwahrscheinlich ist es das letzte Bild, das er in seinem Leben gezeichnet hat.

Am Samstag ist Sukumaran darüber informiert worden, dass er in den nächsten Tagen hingerichtet wird - frühestens nach 72 Stunden, das wäre am Dienstagabend. Denn bevor der Mann zur Kunst fand, war er Drogenschmuggler. An seinem 24. Geburtstag, am 17. April 2005, wurde der Australier auf Bali festgenommen. Gemeinsam mit acht Komplizen soll er versucht haben, insgesamt 8,3 Kilogramm Heroin nach Australien zu schmuggeln. Neben Sukumaran wurde auch sein Landsmann Andrew Chan zum Tode verurteilt. Die anderen sieben der sogenannten Bali Nine kamen mit dem Leben davon.

Sukumaran und Chan sitzen seit neun Jahren in der Todeszelle in Indonesien. Ihre Anwälte und Australiens Regierung haben auf allen Wegen versucht, die Exekution zu verhindern. Die Verteidiger sind immer wieder in Berufung gegangen, Ministerpräsident Tony Abbott hat Indonesiens Präsident Joko Widodo mehrfach um Gnade für die beiden Männer gebeten.

Widodo geht nicht ans Telefon

"Das passt nicht zu dem Indonesien, das ich kenne und sehr respektiere", sagte Abbott am Wochenende. Einmal noch telefonierte er mit Widodo und versuchte, ihn umzustimmen. Bei zwei weiteren Anrufen weigerte sich der indonesische Staatschef, sie entgegenzunehmen . Er sei zu beschäftigt.

Am Montag wollen Hunderte Australier vor dem indonesischen Konsulat in Sydney demonstrieren. In den sozialen Netzwerken werden Australier aufgerufen, keinen Urlaub mehr auf Bali zu machen, um Indonesien wirtschaftlich zu treffen. Jeder vierte Tourist auf der Ferieninsel kommt bislang aus Down Under.

Sukumaran und Chan gelten als Musterbeispiele für eine gelungene Resozialisierung im Gefängnis. Sukumaran ist Künstler geworden, Amnesty International hat seine Bilder weltweit ausgestellt. Die Curtin University in Sydney hat ihm ein Associate Degree verliehen. Er ist Sprecher einer Gruppe von 20 Häftlingen, die Wärter sagen nur Gutes über ihn. Dem heute 34-Jährigen sei es maßgeblich zu verdanken, dass der Drogenmissbrauch unter den Gefangenen deutlich zurückgegangen sei.

Chan hat im Gefängnis zum christlichen Glauben gefunden. Er hat Mitgefangene getauft und führt einen Bibelkreis. Außerdem leitet er einen Kochkurs für Mitgefangene.

Indonesiens Präsident Widodo ist davon unbeeindruckt. Er argumentiert, dass pro Tag etwa 50 Indonesier an den Folgen von Drogenmissbrauch sterben. "Es kann in dieser Frage kein Einknicken geben", sagte der Staatschef Anfang des Jahres. Laut Umfragen unterstützt die Mehrheit der Indonesier diesen harten Kurs.

Gemeinsam mit den beiden Australiern sollen in den nächsten Tagen acht weitere Drogenhändler im Hochsicherheitsgefängnis Nusakambangan hingerichtet werden. Vier Nigerianer, ein Franzose, ein Brasilianer, ein Indonesier und eine Frau von den Philippinen.

Ein Sechsjähriger verliert seine Mutter

Bei dem Brasilianer Rodrigo Gularte wurde Schizophrenie diagnostiziert, aber auch das soll ihn nicht vor dem Tod bewahren. Die Philippinerin Mary Jane Veloso konnte sich vor Gericht nicht angemessen verteidigen, weil ihr ein Dolmetscher verweigert wurde, der ihr den Prozess in ihre Muttersprache Tagalog hätte übersetzen können. Für die 30-Jährige, die als Hausmädchen in Yogyakarta arbeitete, gibt es inzwischen auch in Indonesien Mitgefühl. Eine Onlinekampagne fordert unter dem Hashtag #SaveMaryJane  Gnade für die Frau. Sie hat einen sechs Jahre alten Sohn.

Die Indonesier verweisen auf das Schicksal zweier Landsfrauen, die vor wenigen Wochen in Saudi-Arabien wegen angeblichen Drogenhandels hingerichtet wurden. Wenn Indonesien mit Ausländerinnen ebenso umgehe, gingen der Regierung künftig gegenüber anderen Staaten die Argumente aus.

Die Familien der Todgeweihten sind zu dem Gefängnis gereist, das auf einer Insel vor der Südküste Javas liegt. Sie dürfen die Gefangenen täglich besuchen, nur in den letzten Stunden vor der Exekution darf lediglich ein geistlicher Beistand bei ihnen sein. Sukumaran wird von einer Pastorin aus Melbourne begleitet, Chan steht ein Prediger der Heilsarmee zur Seite.

Die Todeskandidaten haben ihre Särge bereits ausgesucht. Nun können sie noch über zwei Punkte entscheiden : Sie haben die Wahl, ob sie bei der Erschießung lieber sitzen, knien oder stehen möchten. Und sie können wählen, ob ihre Augen verbunden werden sollen oder ob sie dem Tod mit offenen Augen entgegensehen möchten.


Zusammengefasst: Indonesien wird in den kommenden Tagen zehn Menschen hinrichten. Die internationalen Proteste sind der Regierung egal, ebenso das mustergültige Verhalten der Gefangenen in den vergangenen Jahren. Staatspräsident Widodo will ein Exempel statuieren.

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