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Nachruf Inge Viett, 78

aus DER SPIEGEL 21/2022
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Rainer Jensen / dpa

Sie war eine der zähesten Terroristinnen der Bundesrepublik. 1944 bei Hamburg geboren, zog sie 1968 nach West-Berlin. Dort kam sie mit Kreuzberger Anarchisten zusammen und schloss sich der linksextremistischen »Bewegung 2. Juni« an; gleich beim ersten Bombenanschlag kam ein Unbeteiligter ums Leben. Das hielt Inge Viett nicht auf. Sie wurde 1973 und 1975 zwar verhaftet, konnte aber jeweils nach rund einem Jahr ausbrechen. Bereits 1978 knüpfte sie Kontakte mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Viett schloss sich 1980 der RAF an; in Paris schoss sie auf einen Polizisten. 1982 tauchte sie in der DDR unter, die sie bald als ihre neue Heimat sah. Doch nach ihrer Verhaftung in Magdeburg 1990 sagte sie auch gegen ihre Ex-Stasi-Kontaktmänner aus und ersparte sich so als Kronzeugin lebenslange Haft. Von den Aktionen der RAF distanzierte sie sich nie. Inge Viett starb am 9. Mai in Falkensee bei Berlin.

mbs
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