Inhaftierter Marco Weiss "Ich bin kein Krimineller"

In einem Zeitungsinterview hat der in der Türkei einsitzende Schüler Marco Weiss aus Uelzen beteuert, die 13-jährige Charlotte M. nicht bedrängt zu haben. Er forderte sie auf, die Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs zurückzuziehen.


Istanbul - Der Zeitung "Hürriyet" sagte Weiss, Charlotte habe ihm gesagt, sie sei 15 Jahre alt. Er habe sie in der Hotel-Diskothek kennen gelernt. Einen Tag später hätten sie sich zusammen am Strand gesonnt. Am dritten Abend habe sie ihn in ihr Zimmer eingeladen. Dort habe er mit dem Mädchen schlafen wollen. Das sei auch ihr Wunsch gewesen. Wegen eines vorzeitigen Samenergusses sei es aber nicht dazu gekommen. In der "Bild"-Zeitung beteuerte er weiter: "Sie hatte mir die Unterhose runtergezogen. Ich habe ihre Vagina nicht berührt."

Inhaftierter Schüler Marco Weiss: "Ich war geschockt"
DDP

Inhaftierter Schüler Marco Weiss: "Ich war geschockt"

Das Mädchen habe verärgert ausgesehen, als er das Zimmer verlassen habe, "weil sie mehr von mir erwartete". Beim Frühstück einen Tag später habe sie ihn merkwürdig angesehen. Einen weiteren Tag später sei die Polizei gekommen und habe ihm von der Anzeige berichtet.

Mit seinen Eltern sei er in das Büro des Staatsanwalts gegangen, um eine Aussage zu machen, sagte Marco Weiss weiter. Dann sei er einem Gericht vorgeführt und verhaftet worden. "Ich war geschockt, als die Polizei mir sagte, dass sie erst 13 ist", erklärte der Schüler. "Wenn ich gewusst hätte, dass sie 13 ist, wären wir nicht so weit gegangen." Er wünsche sich nur, dass die Wahrheit ans Licht komme und das Verfahren eingestellt werde. "Ich bin kein Krimineller. Ich bin ein Mitglied des Technischen Hilfswerks."

Im Gefängnis habe er keinerlei Schläge oder Misshandlungen erlebt, sagte Marco der "Hürriyet". Auch das Essen sei gut. Allerdings wäre es nicht schlecht, wenn es auch einmal "Pommes und Steak" gäbe. Auch bei seinen Eltern, die er einmal die Woche sehen könne, habe er sich nicht über die Haftbedingungen beschwert. Allerdings habe er ihnen erzählt, wie schwierig es sei, mit so vielen Leuten einen Saal, eine Dusche und eine Toilette zu teilen.

Gut sei, dass es einen Innenhof gebe, der von morgens sieben bis abends acht Uhr geöffnet sei. Allerdings sei es in Antalya im Moment so heiß, dass man keine Lust habe hinauszugehen. Die Häftlinge könnten aber duschen, wann immer sie wollten. Eine angebotene Verlegung in ein neues Gefängnis habe er abgelehnt. Im jetzigen Gefängnissaal habe er Freundschaften geschlossen. "Es gibt keinen anderen Deutschen, aber einen aus dem Kosovo, der Deutsch kann."

Unterdessen wurde bekannt, dass seit dem Wochenende 10.000 Euro Spenden zusammengekommen sind, mit denen ein Anwalt für Marco bezahlt werden soll. Der Sprecher der Spendenaktion, Patrick Friede, sagte in Uelzen: "Wir haben das erste Geld, die Familie muss sich erst einmal keine Sorgen mehr machen." Aus allen Teilen Deutschlands kämen Anrufe von Menschen, die mit eigenen Aktionen Geld sammeln wollten.

jdl/AFP/AP/dpa

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