Internet-Mobbing Mädchen beging nach E-Mail von Web-Bekanntschaft Selbstmord

Es ist der erste Prozess um Internet-Mobbing in den USA: Vor Gericht steht eine Frau, die ein junges Mädchen durch E-Mails in den Selbstmord getrieben haben soll. Die 49-Jährige soll der 13-Jährigen zuvor einen Internet-Freund vorgegaukelt haben.

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Los Angeles - Die Staatsanwaltschaft wirft der 49-jährigen Lori Drew vor, ein verbrecherisches Komplott geschmiedet und dazu die Homepage MySpace missbraucht zu haben: Laut Anklage hatte sich Drew gemeinsam mit ihrer Tochter und einem Freund der Familie einen Spaß daraus gemacht, der komplexbeladenen 13-jährigen Megan einen 16-jährigen Internet-Freund vorzugaukeln. Dieser virtuelle Brieffreund schrieb Megan nach einem Flirt, dass die Welt ohne sie schöner wäre. Das Mädchen nahm sich daraufhin das Leben.

Zum Auftakt des Verfahrens in Los Angeles warf Staatsanwalt Thomas O'Brien der Angeklagten vor, sie habe die Internet-Attacke auf die Nachbarstochter Megan gestartet, obwohl sie wusste, dass die 13-Jährige depressiv und selbstmordgefährdet war. Drew habe es darauf angelegt, das Mädchen "zu erniedrigen, sich über es lustig zu machen und es zu verletzen", sagte O'Brien vor der zwölfköpfigen Jury.

In der fingierten Identität eines 16-Jährigen namens "Josh Evans" habe die Angeklagte Megan aus Rache demütigen wollen, weil diese ihrer Ansicht nach Gerüchte über ihre Tochter in die Welt gesetzt hatte.

Der virtuelle "Josh" hatte sich zunächst für Megan interessiert, dann aber den Mail-Kontakt mit hasserfüllten Nachrichten beendet. Zuletzt schrieb er: "Ohne dich wäre die Welt schöner." Kurz darauf brachte sich das Mädchen um. Unter Tränen berichtete Megans Mutter vor Gericht, wie das US-Magazin "People" berichtete: "Ich habe die Tür ihres Zimmer geöffnet und sie erhängt am Kleiderschrank gefunden."

Drews Verteidiger Dean Steward machte vor der Jury mehrmals darauf aufmerksam, dass es in dem Prozess nicht um ein Tötungsdelikt gehe. "Das ist ein Fall von Computer-Betrug und -Missbrauch, kein Mordprozess", sagte er. Es handele sich um einen "tragischen Fall für jeden - am meisten für Megan". Er fügte hinzu, dass seine Mandantin für die zuletzt verschickte Mail von "Josh" nicht verantwortlich gewesen sei. Drew drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Nach Internet-Kontakt in Konstanz: 14-Jährige vergewaltigt

Internet-Bekanntschaft mit kriminellem Ende: Ein 53-jähriger Mann aus dem Landkreis Konstanz muss sich wegen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens vor dem Konstanzer Landgericht verantworten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Donnerstag hat sich der Mann in einem Chatroom gegenüber dem Mädchen aus Nordrhein-Westfalen als jung und gutaussehend ausgegeben. Er habe sein Opfer dazu überredet, zu ihm zu ziehen. Als er die 14-Jährige am 11. April 2008 mit dem Auto abholen wollte, schreckte sie jedoch zurück. Er soll sie zum Mitfahren gezwungen und in einer Wohnung am Bodensee vergewaltigt haben.

Die Polizei konnte das Mädchen am Folgetag befreien. Der 53-Jährige muss sich zugleich wegen des Internet-Versands von pornografischen Bildern an eine 16-Jährige verantworten. Bei dieser Online-Bekanntschaft im Herbst 2007 hatte er sich der Anklage zufolge als 24-Jähriger ausgegeben. Der Prozess vor dem Konstanzer Landgericht beginnt am 15. Dezember.

jjc/AFP



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