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Charles Manson: Das Gesicht des Grauens

Foto: Corbis

Charles Manson im "Rolling Stone" Interview mit einem Serienmörder

Seit mehr als 40 Jahren sitzt Charles Manson hinter Gittern. Im Gefängnis hat der frühere Sektenführer einem US-Magazin nun ein Interview gegeben. Darin schildert er die Beziehung zu einer 25-jährigen Frau und entlarvt sich einmal mehr als unberechenbar.

Hamburg - Es sind sonderbare Bilder, schon beim ersten, aber auch noch beim zweiten und dritten Ansehen. Charles Manson, 79, grauer Bart, Hakenkreuz auf der Stirn, steht neben einer jungen Frau im Gefängnistrakt des Corcoran State Prison im US-Staat Kalifornien, wo er vermutlich noch bis zum Ende seines Lebens einsitzen wird. Sie stemmt eine Hand in die Seite, die andere hat sie auf den Kopf des Grauhaarigen gelegt, beide lächeln. Auf anderen Fotos sieht man sie in verschiedenen Posen herumalbern. Er nennt sie "Star".

Die Fotos stammen von einer Unterstützer-Seite Mansons, die Geschichte dazu ist in der Dezember-Ausgabe des US-Magazins "Rolling Stone"  zu lesen. Manson gab einem Reporter des Blattes ein Interview, "The Final Confessions of a Psychopath" ist der Text überschrieben, die letzten Geständnisse eines Psychopathen. Darin wird nicht nur die Beziehung zwischen Manson und dem streng erzogenen Mädchen aus einer Stadt am Mississippi erzählt, auch Manson selbst kommt zu Wort.

Der Anführer der berüchtigten "Manson Family" hatte 1969 zusammen mit Anhängern sieben Menschen ermordet, darunter die hochschwangere Frau von Regisseur Roman Polanski, Sharon Tate. Die Täter wurden dafür 1971 zunächst zum Tode verurteilt. Nach der Aussetzung der Todesstrafe in Kalifornien wurde ihre Strafe in lebenslänglich umgewandelt. Manson sitzt nun seit mehr als 40 Jahren ein.

"Ich bin der Teufel"

Im Interview mit dem "Rolling Stone" schildert er seinen Alltag hinter Gittern - Einsicht oder Schuldgefühle hingegen zeigt er nicht. Das Gespräch im Besucherraum des Gefängnisses, bei dem auch "Star" anwesend ist, bekommt eine Eigendynamik, die dem Reporter unangenehm wird - so liest sich der Text zumindest. Anfangs beschreibt der Autor, wie Manson nach all der Zeit noch immer eine perfide Art der Faszination hervorruft. Auch eine Berührung am Arm findet der Reporter nicht unangenehm. Im Gegenteil.

Doch dann werden die psychopathischen Züge des 79-Jährigen offenbar. So tippt er seinem Interviewer unvermittelt an die Nase. "Ich habe allen an die Nase gefasst", sagt er. Nach einiger Zeit fügt er hinzu: "Wenn ich dich anfassen kann, kann ich dich töten." Dann fabuliert er davon, der Teufel zu sein, das ist in einem Audio-Mitschnitt zu hören. "Nein, bist du nicht", entgegnet der Reporter. Manson redet einfach weiter.

Er setzt zu kruden Rechtfertigungen für Morde an, so dass sich auch die Wahrnehmung des Autors ändert: "In diesem Moment realisiert man, dass das Gefängnis der einzige Ort für ihn ist, und du hoffst, dass er deine Haut nie wieder berührt."

Manson spricht auch über seine Bisexualität und bestreitet, dass er "Star" heiraten wolle. Die junge Frau sagt, nicht die Morde hätten sie angezogen, sondern Mansons Einstellung zu Tier- und Umweltschutz. Später wolle sie mit dem auf Lebenszeit Verurteilten im Haus ihrer Eltern leben.

Erst vor zwei Jahren sind die kruden Ideen Mansons wieder an die Öffentlichkeit gekommen. Unter dem Titel "Letzte Worte" erschien eine Art Autobiografie des Verbrechers. Die israelische Journalistin Michal Welles, die Manson über fast 20 Jahre immer wieder besucht hat, fasste darin Fotos, Interviews, Gedichte und andere Texte des einstigen Folk-Musikers zusammen. Und sie gab Manson reichlich Raum, sich gegen die Anschuldigungen zu wehren, wegen derer er so lange im Gefängnis sitzt.

Reue dürfte von Manson nicht mehr zu erwarten sein, das hat das "Rolling Stone"-Interview noch einmal klargemacht. Alle seine Gnadengesuche wurden bislang abgelehnt. Den nächsten Antrag könnte er 2027 stellen - dann wäre er 92 Jahre alt.

vks
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