Inzest-Fall Amstetten Josef F. legt volles Geständnis ab

Er hielt seine Tochter jahrzehntelang gefangen, missbrauchte sie: Im Inzestfall von Amstetten hat Josef F. nun ein volles Geständnis abgelegt. Der 73-Jährige gab zu, Vater der sieben Kinder zu sein, die Elisabeth F. gebar, und ein tot geborenes Baby verbrannt zu haben.


Wien - Zwei Tage lang verhörte die Polizei Josef F. Zunächst verweigerte der 73-Jährige die Aussage, dann folgte ein Teilgeständnis - jetzt aber habe er alle Taten, die ihm zur Last gelegt werden, zugegeben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: 24 Jahre lang soll Josef F. seine heute 42-jährige Tochter Elisabeth in einem Kellerverlies gefangengehalten, sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen und sieben Kinder mit ihr gezeugt haben. Bisher hatte der Mann lediglich verlauten lassen, dass er "den Vorfall bedauere und ihm seine Familie leid tue", berichtete Bezirkshauptmann Heinz Lenze.

Natascha Kampusch bietet Amstetten-Opfern Hilfe an

Das Opfer in dem bislang spektakulärsten Entführungsfall in Österreich, Natascha Kampusch, will Elisabeth F. und ihren Kindern helfen. Kampusch, 20, war selbst acht Jahre lang in der Gewalt eines Entführers. Da sie die Situation der völligen Isolation aus eigener Erfahrung kenne, biete sie der heute 42-jährigen Frau sowohl finanzielle Unterstützung als auch ein Gespräch an, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung.

Finanzielle Hilfe will Kampusch der Familie aus den Spendengeldern zukommen lassen, die sie nach ihrer Flucht von ihrem Peiniger für einen geplanten Hilfsfonds erhielt.

Kampusch war 1998 im Alter von zehn Jahren entführt worden und acht Jahre lang von ihrem Kidnapper, Wolfgang Priklopil, in einem Kellerverlies festgehalten worden. Im August 2006 gelang ihr die Flucht. Priklopil beging daraufhin Selbstmord.

Wie hat Josef F. 24 Jahre lang eine Familie versteckt?

Die wichtigsten Fragen, welche die Ermittler jetzt im Fall Josef F. klären wollen: "Wie hat er die Versorgung vorgenommen?", fragte Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich. Ein weiterer Punkt: In dem Verlies hätten Hausgeburten stattgefunden, in diesem Zusammenhang Säuglinge betreut werden müssen.

Drei Kinder mussten mit ihrer Mutter in dem verliesartigen, fensterlosen Gefängnis leben, das bereits beim Bau des Hauses mit eingeplant worden sein soll.

Rund 80 Quadratmeter groß soll der Komplex sein, der aus mehreren Zimmern mit Küche und Sanitäreinrichtungen sowie einer Gummizelle besteht.

Amstetten in Niederösterreich
SPIEGEL ONLINE

Amstetten in Niederösterreich

F. befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Eine DNA-Untersuchung soll definitiven Aufschluss darüber geben, ob der 73-Jährige der Vater der sechs Kinder ist. Er war Samstagnacht festgenommen worden und soll nun von Amstetten in das Untersuchungsgefängnis der Landeshauptstadt St. Pölten gebracht werden. Die 42-jährige Elisabeth F., die sieben Kinder und die Ehefrau des Verdächtigen befinden sich in psychiatrischer Behandlung.

Der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge gab es während der 24 Jahre andauernden Gefangenschaft keine medizinische Versorgung für die Mutter und die drei Kinder. Der Verdächtige habe seine Opfer lediglich mit Kleidung und Nahrung versorgt.

Sowohl die Ehefrau als auch die drei Kinder, die im oberen Teil des Hauses wohnen durften und ein "normales" Leben geführt haben sollen, wollen nichts von den Vorgängen mitbekommen haben. Der Keller habe als "tabu" gegolten, schreibt APA. Die drei Kinder, die in den Wohnräumen lebten, sind laut Polizei bei guter Gesundheit.

ala/dpa



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