Inzest-Fall von Amstetten Der Bautraum des Josef F.

Inzest-Täter als Häuslebauer: Josef F. wurde in Österreich zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus dem Gefängnis verfolgt er nun, wie in Amstetten womöglich bald sein Vermächtnis aus dem Boden gestampft wird. Seine Gläubiger dürfte das freuen - seine Opfer eher nicht.

Das Anwesen von Josef F.: "Nur für das Haus samt Keller gab es Interessenten"
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Das Anwesen von Josef F.: "Nur für das Haus samt Keller gab es Interessenten"

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Hamburg - Jürgen Popp ist wütend. Schon allein der Name Josef F. bringt ihn in Rage. Direkt in Popps Nachbarschaft im beschaulichen Amstetten soll eine Reihenhaussiedlung gebaut werden - so wie es der bekannteste Inzest-Täter Österreichs einst plante.

In der Waidhofner Straße, der Villengegend des Orts, hatte Josef F. im Frühjahr 2006 einer alten Dame das Grundstück Nummer 68 abgekauft: "Er hat unter dem Vorwand, er würde die Fläche privat für sich nutzen und den großen Garten behalten wollen, für die 2600 Quadratmeter gerade einmal 160.000 Euro bezahlt", sagt Popp.

Tatsächlich aber wollte Josef F. eine Wohnanlage für 13 Parteien samt Tiefgarage und Bürogebäude darauf bauen. Einen entsprechenden Antrag für das Bauprojekt stellte er am 4. August 2006. "Es war schon damals ein umfangreiches Verfahren, in dessen Rahmen das Baurecht genauestens geprüft werden musste", erinnert sich Stadtamtsdirektorin Beatrix Lehner, Leiterin des inneren Dienstes der Stadt Amstetten.

Während die Ämter prüften, wurde im März 2008 F.s Doppelleben aufgedeckt und eines der größten Gewaltverbrechen des Landes enttarnt: Josef F. hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem Verlies eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt.

Der Fall, die Ermittlungen, der Prozess: Die ganze Welt blickte auf Amstetten, das Bauprojekt lag seither brach. Die Hoffnung der Anwohner, das Vorhaben würde nicht realisiert werden, war groß.

Josef F.s Traum soll in Erfüllung gehen

Doch nun hat die Stadt F.s Antrag bewilligt - und die Nachbarn fühlen sich überrumpelt. Laut niederösterreichischer Bauordnung muss sich der Neubau "harmonisch in die Umgebung einfügen". Die Gegner sehen diese Vorgabe jedoch nicht erfüllt: Zwischen die schmucken Villen und Einfamilienhäuser passt ihrer Meinung nach kein glasverspiegeltes Wohn- und Bürogebäude mit Tiefgarage.

Denn tatsächlich soll das Projekt bislang exakt so umgesetzt werden, wie es sich Josef F. immer gewünscht hat - und zwar obwohl er im Gefängnis sitzt.

Jürgen Popp und andere Anwohner warnen vor einer akuten Hochwassergefahr: Das geplante Gebäude hätte eine Erhöhung des Grundwasserspiegels zur Folge. Davon wären alle umliegenden Bauwerke betroffen, der angrenzende Mühlbach könnte die Keller der kompletten Siedlung fluten. Zudem verschandele der geplante Bau die "typische Vorortgegend mit gepflegten Gärten", das Viertel sei durch den Bach und den angrenzenden Wald für die Anwohner eine Ruheoase.

Und natürlich spielt auch der Bekanntheitsgrad des Grundstückbesitzers eine Rolle: "Josef F. hat uns so viel Schaden zugefügt, er kann sich doch jetzt nicht in Amstetten ein Denkmal bauen, wo er so verachtet ist", sagt Jürgen Popps Vater Otto, ebenfalls Anwohner.

Walter Anzböck ist der Masse- und Konkursverwalter im Fall Josef F. Eine seiner Hauptaufgaben ist es, die Wogen zu glätten. "Herr F. hat das geplante Bauprojekt nicht von der Zelle aus gesteuert, er ist überhaupt nicht eingebunden in die Verhandlungen", betont Anzböck gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wenn überhaupt, bekommt er das nur am Rande mit." Außerdem bekomme dieser "keinen Cent" von dem Verkauf.

"Wir legen auf jeden Fall Klage ein"

Anzböck versucht für die 21 Gläubiger, die Forderungen an Josef F. gestellt haben, das Geld einzutreiben. Von drei Millionen Euro Schulden ist die Rede. Eine Summe, die der Konkursverwalter als "völlig falsch" bezeichnet. "Über die tatsächliche Höhe ist von Seiten der Gläubiger Stillschweigen vereinbart worden."

Allein der Polizeieinsatz während des Prozesses soll mehr als 35.000 Euro gekostet haben, die Verfahrenskosten liegen im sechsstelligen Bereich. Außerdem muss er die Behandlungskosten seiner Opfer übernehmen; seine jahrzehntelang von ihm gefangen gehaltene Tochter sowie die mit ihr gezeugten Kinder bekämen übrigens von dem Verkauf sonst nichts weiter ab. Josef F. war vor seiner Verhaftung als Geschäftsmann tätig, besitzt mehrere Häuser in ganz Niederösterreich, die er vermietet hat. Im Gefängnis musste er Konkurs anmelden.

Rechtsanwalt Anzböck betont, es gehe nicht um das Bauprojekt als solches, sondern "lediglich um einen möglichst gewinnbringenden Verkauf des Objekts". Profitieren werde davon einzig und allein die Hypo NÖ Landesbank, die mit einer Forderung als Pfandleger im Grundbuch stehe.

Einen Interessenten für das Grundstück samt Projekt gibt es bisher noch nicht. Seine Aufgabe als Verwalter der Konkursmasse sei es lediglich, die Liegenschaft nach Erhalt der Baugenehmigung zu veräußern, sagt Anzböck. Wie viel die Liegenschaft mit der Baugenehmigung wert sei, lasse sich noch nicht abschätzen. Fest stehe aber, dass die Schulden von Josef F. damit nicht getilgt werden könnten.

Die Nachbarn wollen ohnehin nicht nachgeben: "Wir legen auf jeden Fall Klage gegen die Bewilligung ein. Wenn es sein muss bis zum Obersten Gerichtshof", so Popp.

"Nur für das Haus samt Keller meldeten sich potentielle Käufer"

Im schlimmsten Fall könnte das Verfahren daher vor dem Verwaltungsgerichtshof landen und sich so noch weitere fünf Jahre hinziehen. Sollte es den Gegnern tatsächlich noch gelingen, die Baugenehmigung zu kippen, "werden wir damit leben müssen", so Anzböck. Das Grundstück würde dann eben zu einem geringeren Preis verkauft werden.

Keine 600 Meter entfernt von dem geplanten Gebäude liegt die Ybbsstraße. In Hausnummer 40 lebte die Familie F., unter dem Garten hielt Josef F. seine Zweitfamilie in einem Keller gefangen. Das Anwesen sollte verkauft werden.

"Es gab jedoch kaum Interessenten dafür. Nur für das Haus samt Keller meldeten sich potentielle Käufer", sagt Anzböck. Da Missbrauch mit dem Anwesen verhindert werden solle, werde man es bis zum nächsten Sommer abreißen und erst dann das Grundstück zum Verkauf anbieten. Dazu benötige man von der Stadt eine Abbruchbewilligung. Details des Vorhabens werde er nach deren Erhalt bekanntgeben.

Beim Abbruch soll genauestens darauf geachtet werden, den Opferschutz zu wahren: Kein einziges Bild soll vom Kellerverlies gemacht werden.

Obwohl das vermutlich am meisten Geld bringen würde.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Gegengleich 17.11.2010
1. Reihenhausdenkmal?
Was spricht dagegen, die Reihenhäuser zu bauen? Daß sich Herr F. ein Denkmal setzen will, ist wohl nicht zu berfürchten. Ich meine....Reihenhäuser als Denkmal, ähh geht's noch? Hr. Popp (oder sein Vater)ist wohl eher verärgert über seine eigene Gutgläubigkeit, oder was ich eher vermute, den entgangenen Mehrerlös. Selbst schuld.
readme74 17.11.2010
2. Josef F.?!
Zitat von sysopInzest-Täter als Häuslebauer: Josef F. wurde in Österreich zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus dem Gefängnis verfolgt er nun, wie in Amstetten womöglich bald sein Vermächtnis aus dem Boden gestampft wird. Seine Gläubiger dürfte das freuen - seine Opfer eher nicht. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,729614,00.html
Im Ernst, lieber SPON?? "Josef F."? Die ganze Welt weiß eigentlich fast seit dem Tag seiner Festnahme daß er Josef *Fritzl* heißt, aber ihr meint daß man das immer noch nicht laut sagen darf??
fleischmannimmond 17.11.2010
3. Im Ernst?
"Denn tatsächlich soll das Projekt bislang exakt so umgesetzt werden, wie es sich Josef F. immer gewünscht hat - und zwar obwohl er im Gefängnis sitzt." Liebe Frau Jüttner - im Ernst?
Haio Forler 17.11.2010
4. .
Zitat von readme74Im Ernst, lieber SPON?? "Josef F."? Die ganze Welt weiß eigentlich fast seit dem Tag seiner Festnahme daß er Josef *Fritzl* heißt, aber ihr meint daß man das immer noch nicht laut sagen darf??
Eben, daher brauchst Du's ja nicht mehr ausschreiben.
Michael Giertz, 17.11.2010
5. Aber nööö ....
Zitat von GegengleichWas spricht dagegen, die Reihenhäuser zu bauen? Daß sich Herr F. ein Denkmal setzen will, ist wohl nicht zu berfürchten. Ich meine....Reihenhäuser als Denkmal, ähh geht's noch? Hr. Popp (oder sein Vater)ist wohl eher verärgert über seine eigene Gutgläubigkeit, oder was ich eher vermute, den entgangenen Mehrerlös. Selbst schuld.
So seh' ich's auch. Abgesehen davon glaube ich nicht, dass Josef Fritzl da noch Geld sehen wird, das geht doch eher über eine Treuhand oder ähnliches. Wenn dann der Erlös als Schmerzensgeld bei der gepeinigten Tochter landet bzw die Tochter Eigentümerin wird, ist für mich alles in Butter. Aber nöööö ... Egoisten, so weit das Auge blicken kann ...
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