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Österreich: Grausiger Verdacht in St. Peter am Hart

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Inzest-Verdacht Missbrauchsvorwürfe erschüttern Österreich

Immer mehr Details des vermuteten Inzest-Falls in Österreich werden bekannt: Der mutmaßliche Täter hat seine beiden Töchter offenbar mehr als 40 Jahre lang gefangen gehalten, missbraucht, unter anderem mit einer Mistgabel bedroht. Die Frauen werden von Seelsorgern betreut, Nachbarn sind entsetzt.

Wien - Gerade einmal 2400 Menschen leben in St. Peter am Hart, es passiert nicht viel in dem Örtchen, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Doch seit diesem Donnerstag blickt ganz Österreich auf das Dorf. Noch ist es nur ein Verdacht, doch es ist ein ungeheuerlicher: Mehr als 40 Jahre lang soll ein Mann hier seine beiden Töchter missbraucht und misshandelt haben.

In der Nähe des Ortskerns steht ein unscheinbares Haus, die Fenster im Untergeschoss sind vergittert. Hier soll sich das jahrzehntelange Leid der heute 53 und 45 Jahre alten Frauen abgespielt haben. Der heute 80-jährige mutmaßliche Täter bestreitet die Vorwürfe, nach einer Behandlung im Krankenhaus wurde er in ein Gefängnis transportiert. Laut Polizei besteht Fluchtgefahr.

Nach und nach werden mehr Details des erschütternden Falls bekannt. Angeblich soll sich der Mann bereits 1970 zum ersten Mal an seinen Kindern vergangen haben, danach kam es offenbar regelmäßig zum Missbrauch. Obwohl das Haus reichlich Wohnfläche bietet, hätten sich die Töchter meist nur in einem Raum aufgehalten - auf Geheiß des Vaters. Auf einer kleinen Holzbank in der Küche mussten beide schlafen.

Schwestern waren "sozial völlig isoliert"

Die Frauen seien so eingeschüchtert gewesen, dass sie die Behandlung über sich ergehen ließen, so die Ermittler. Mit körperlicher Gewalt und Todesdrohungen habe sie der mutmaßliche Täter gefügig gemacht. Er soll Schusswaffen besessen und die Töchter mit einer Mistgabel bedroht haben.

Bezirkspolizeikommandant Martin Pumberger bezeichnete die Schwestern im "Kurier" als "sehr abhängig von ihrem Vater" und "sozial völlig isoliert". Die Töchter, beide laut Polizei geistig zurückgeblieben, habe man nur äußerst selten gesehen, sie seien "völlig abgeschottet" gewesen, berichten Nachbarn. Von der Mutter war offenbar keine Hilfe zu erwarten, auch sie wurde misshandelt. 2008 starb sie.

In St. Peter am Hart gibt man sich entsetzt über den möglichen Inzest-Fall mitten in der Gemeinde. "Ich bin sehr betroffen darüber, dass so etwas passieren kann", sagte der Bürgermeister der Gemeinde. Nie habe es Gerüchte gegeben, auch Nachbarn hatten keinen Verdacht gegen den Mann geschöpft, der lange bei der Straßenmeisterei gearbeitet hatte. Von "Eigenbrödler" bis "äußerst gesellig und lustig" beschreiben die Dorfbewohner den mutmaßlichen Täter.

Zufall brachte den Fall ans Licht

Dass der Fall überhaupt bekannt wurde, war offenbar Zufall. Als der Vater seine ältere Tochter Anfang Mai 2011 vergewaltigen wollte, setzte sie sich laut Polizei zur Wehr. Sie habe ihren Peiniger so gestoßen, dass dieser gestürzt sei. Ohne fremde Unterstützung habe er nicht aufstehen und selbst keine Hilfe herbeirufen können. Seine Töchter ließen ihn liegen und verweigerten ihm jede Hilfe.

Erst zwei Tage später sei eine ärztliche Versorgung durch eine Sozialarbeiterin veranlasst worden, teilten die Beamten weiter mit. Die Sozialarbeiterin erstattete Anzeige, nachdem sich die Töchter ihr anvertraut hatten. Nach Angaben Pumbergers werden die Opfer nun abgeschirmt und betreut. "Sie sind offensichtlich erleichtert, dass sie von der Last befreit sind", sagte er.

jok
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