Inzestfall Amstetten Josef F. verbirgt sein Gesicht vor den Kameras

Strenge Sicherheitsvorkehrungen: In Österreich hat der Prozess im Inzestfall von Amstetten begonnen. Josef F. ist angeklagt, seine Tochter gefangen gehalten, missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben. Vor Beginn der Verhandlung verbarg er sein Gesicht hinter einem Aktenordner.


St. Pölten - Der 73-Jährige ist weitgehend geständig. Verhandelt wird zum größten Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Den Familienangehörigen bleibt ein Auftritt vor Gericht erspart. Die Aussage der Tochter, die mit ihren Kindern inzwischen an einem geheim gehaltenen Ort lebt, wurde auf Video aufgenommen.

Angeklagter F.: Auftritt vor Gericht
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Angeklagter F.: Auftritt vor Gericht

Die 27 Seiten umfassende Anklage lautet unter anderem auf Mord durch Unterlassung: Eines der Kinder war 1996 kurz nach der Geburt gestorben; der kleine Junge hätte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft möglicherweise gerettet werden können, wenn F. rechtzeitig Hilfe geholt hätte. Weitere Anklagepunkte sind Vergewaltigung, Inzest, Freiheitsberaubung, schwere Nötigung und Sklaverei.

F. will sich nach Angaben seines Anwalts Rudolf Mayer in den meisten Anklagepunkten schuldig bekennen, den Mordvorwurf aber zurückweisen. F. habe das Baby nach dessen Tod erstmals gesehen, sagte Mayer. Auch den Vorwurf der Sklaverei, der in Österreich bisher noch nie zur Anklage gebracht wurde, bezeichnete der Anwalt als fragwürdig.

Für Mord droht eine lebenslange Haftstrafe, für Sklaverei drohen bis zu 20 und für Vergewaltigung bis zu 15 Jahre Haft. Mayer zufolge rechnet F. damit, den Rest seines Lebens hinter Gittern zu verbringen. Psychiatrische Gutachter befanden ihn zwar für zurechnungsfähig, bescheinigten ihm aber eine "höhergradig seelisch-geistige Abartigkeit", so dass er eine Freiheitsstrafe vermutlich in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verbüßen würde.

Für den sogenannten Jahrhundertprozess in der niederösterreichischen Landeshauptstadt sind nur fünf Verhandlungstage anberaumt. Laut Gerichtssprecher Franz Cutka liegen als Beweismittel nur die Videoaussage und Gutachten vor, weitere Zeugenaussagen sind nicht vorgesehen. Mit einem Urteil des Schwurgerichts in St. Pölten wird bereits am Freitag gerechnet.

jdl/AP



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