Inzestfall Amstetten Josef F. wehrt sich gegen Mordvorwurf

Sein Gesicht versteckte er hinter einem Aktenordner, seine Stimme war kaum zu verstehen: Josef F. hat vor Gericht die am schwersten wiegenden Vorwürfe gegen sich bestritten. Er gestand aber, seine Tochter 24 Jahre eingekerkert, unzählige Male vergewaltigt und sieben Kinder mit ihr gezeugt zu haben.


Sankt Pölten - Auftakt zum "Jahrhundertprozess": Der Inzest-Vater von Amstetten, Josef F., bezeichnete sich vor dem Landesgericht Sankt Pölten am Montag als des Mordes und der Sklaverei für "nicht schuldig". Er gestand aber, - Augenzeugen zufolge mit leiser Stimme - seine Tochter 1984 eingekerkert, in den folgenden 24 Jahren unzählige Male vergewaltigt und sieben Kinder mit ihr gezeugt zu haben.

Angesichts der weltweiten Beachtung des Falls und aus offensichtlicher Sorge um den Ruf Österreichs und den von Amstetten gab die Vorsitzende Richterin Andrea Humer zu Prozessbeginn eine kurze Erklärung ab. Dies sei die Tat eines Einzeltäters, nicht eines ganzen Ortes oder einer ganzen Nation, sagte sie noch vor der Verlesung der Anklage.

Der von Polizisten in den Verhandlungssaal gebrachte F. hatte zuvor mit einem blauen Aktenordner sein Gesicht verborgen, damit dies nicht gefilmt oder fotografiert werden konnte.

In dem Prozess werden am Ende acht Geschworene darüber entscheiden, ob der 73-Jährige in den sechs Anklagepunkten Mord, Sklavenhandel, Vergewaltigung, Freiheitsentzug, schwere Nötigung und Blutschande schuldig gesprochen wird. Für Mord droht bis zu lebenslang, für Sklaverei bis zu 20 Jahre Haft. Auf die übrigen Taten stehen höchstens 15 Jahre Gefängnis.

Staatsanwältin Christiane Burkheiser wandte sich in ihrer Anklage direkt an die Geschworenen. "Josef F. verfügte über seine Tochter wie über sein Eigentum. Er brachte sie in völlige Abhängigkeit", sagte Burkheiser zum Martyrium der heute 42-Jährigen.

Die Staatsanwältin schilderte eindrücklich, wie Elisabeth im Keller vegetieren musste. Am Tag ihrer Verschleppung habe F. sie betäubt. Am Tag danach habe er sie in ihrem elf Quadratmeter großen Verlies angekettet und das erste Mal vergewaltigt. In den folgenden Jahren habe es keinerlei Kommunikation des Vaters mit seiner Tochter gegeben. "Er benutzte sie wie ein Spielzeug. Er kam. Licht aus. Vergewaltigung. Licht an." Das Schlimmste sei aber die Ungewissheit gewesen. So habe Elisabeth nie gewusst, ob ihr Vater überhaupt von teils wochenlangen Reisen zurückkehren werde.

Von den Kindern, die F. mit seiner Tochter zeugte, lebten drei ihr ganzes Leben bis zur Freilassung im April vergangenen Jahres in dem vom Tageslicht vollkommen abgeschotteten Verlies. Drei weitere Kinder legte F. im Laufe der Zeit vor seine eigene Wohnungstür. Anschließend behauptete er, Elisabeth sei einer Sekte beigetreten und habe diese Kinder nun hier abgelegt. Ein siebtes Kind - ein neugeborenes Zwillingskind - starb nur zwei Tage nach seiner Geburt. Die Anklage wirft F. deshalb Mord durch Unterlassen vor, weil er dem unter Atemnot leidenden Jungen trotz der Bitten Elisabeths nicht geholfen habe.

F. verfolgte die Vorwürfe der Staatsanwältin ohne besondere Regung. Die Fragen der Richterin zu den Tatvorwürfen beantwortete er ebenso wie die Fragen zu seinem Lebenslauf ruhig und unaufgeregt. Das Gericht schloss nach der ersten Befragung die Öffentlichkeit aus, um die Opfer zu schützen.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers wurde F. im Anschluss der erste Teil der etwa elfstündigen Videobefragung seiner Tochter vorgespielt. Der Sprecher konnte keine Angaben machen, ob F. zu deren Aussagen Stellung bezogen hat.

Am Dienstag solle der Prozess mit dem weiteren Abspielen der Aufnahmen fortgesetzt werden. Wie der Gerichtssprecher sagte, könnte sich das Verfahren beschleunigen und statt am Freitag bereits am Donnerstag das Urteil verkündet werden.

Der Rechtsanwalt von F., Rudolf Mayer, wandte sich gegen die Beschreibung seines Mandanten als "Monster". F. habe schließlich im vergangenen Jahr seine älteste im Kellerverlies geborene Tochter ins Krankenhaus gebracht und damit sein Auffliegen in Kauf genommen. "Das Monster, wissen Sie, was das macht? Das bringt alle um. Ende, aus ist", sagte Mayer. Sein Mandant sei "nicht normal", sagte der Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, neben einer Haftstrafe auch die Unterbringung von F. in einer Psychiatrie beantragen zu wollen.

jjc/AFP/dpa



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