Inzestfall Amstetten Josef F. wollte mit Polizeiprotokollen Millionen machen

Fast ein Vierteljahrhundert lang hielt er seine Tochter in einem Verlies gefangen. Nun wird bekannt, dass Josef F. auch versucht haben soll, aus seinen Taten Kapital zu schlagen. Einem Bericht zufolge wollte er die Abschriften der Vernehmungen meistbietend verhökern.


Hamburg - Selbst aus dem Gefängnis heraus soll Josef F. versucht haben, Geschäfte zu machen. Wie das Magazin "Stern" meldet, wollte der inzwischen 73-jährige Inzestvater seine Vernehmungs- und Ermittlungsprotokolle für vier Millionen Euro an britische Boulevardzeitungen verkaufen. Demnach beauftragte F. einen mit ihm bekannten Immobilienmakler, das Material zu verschachern.

F. hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem Verlies im niederösterreichischen Amstetten gefangen gehalten, vergewaltigt und sieben Kinder mit ihr gezeugt. Er sitzt derzeit in der Justizanstalt St. Pölten ein. Der Prozess gegen ihn wegen Mordes, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und Sklaverei soll im Februar beginnen.

Der Makler soll den geplanten Deal bestätigt haben: F. "war und ist immer noch ein sehr tatkräftiger Mensch mit hunderttausend Ideen", sagte er dem "Stern". Als der Geschäftsmann F. im Gefängnis besucht habe, habe der ihm vorgeschlagen: "Die schreiben alles an mir vorbei, aber ich bin der Hauptakteur. Dass andere damit Geld machen, indem sie mich nutzen, geht nicht. Da wäre mir viel mehr geholfen, wenn ich der Familie etwas geben kann."

F. ist nach Angaben des "Stern", der sich wiederum auf den Bekannten des Inzesttäters beruft, mit etwa 3,5 Millionen Euro verschuldet. Der 73-Jährige habe beabsichtigt, aus dem Verkauf der Protokolle, einen Teil der Summe zu tilgen und den Rest zurückzulegen. Dem Bericht zufolge wies der Gefangene seinen Wiener Anwalt Rudolf Mayer an, das Material zusammenzustellen. Einige Tage später habe der Makler die Papiere abgeholt.

Per Mail sollen dann Angebote an britische Boulevardblätter verschickt worden sein. Es sei auch zu vier Treffen, aber zu keinem Abschluss gekommen sein. Dann habe man die Geschäftsidee verworfen, heißt es in dem Artikel.

Laut "Stern" hat F.s Tochter während ihrer Haft Tagebuch geführt. Die Aufzeichnungen beschäftigten sich zum Teil mit vergleichsweise harmlosen Sorgen wie Essen oder Kinderkrankheiten. Doch schilderte die Frau eben auch den schrecklichen Alltag im Verlies - die Vergewaltigungen, Schwangerschaften und eine Rattenjagd mit bloßen Händen.

Ihre Aufzeichnungen seien unmittelbar nach ihrer Entdeckung dem Gericht überstellt worden und lägen dort unter Verschluss.

jdl

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