Als Tourist im Camper unterwegs Franzose wegen angeblicher Spionage in Iran zu acht Jahren Haft verurteilt

Benjamin Brière ist in Iran von einem Revolutionsgericht zu gut acht Jahren Haft verurteilt worden. Der Franzose war als Tourist mit der Kamera in dem Land unterwegs – ihm wurde Spionage und Propaganda vorgeworfen.
Eine Demonstrantin in Paris setzt sich für Benjamin Brière ein (Bild vom 8. Januar)

Eine Demonstrantin in Paris setzt sich für Benjamin Brière ein (Bild vom 8. Januar)

Foto: Adrienne Surprenant / AP

Ein Revolutionsgericht in Iran hat einen in dem Land festgehaltenen Franzosen wegen angeblicher Spionage und Propaganda gegen die politische Führung schuldig gesprochen. Benjamin Brière wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf den Anwalt Philippe Valent gar von einer Freiheitsstrafe, die sich auf acht Jahre und acht Monate belaufe.

Brière habe keinen fairen Prozess vor unparteiischen Richtern erhalten, kritisierte demnach Anwalt Valent. »Er hatte kein Recht auf Verteidigung, keinen Zugang zu den Anklagepunkten und keine Möglichkeit, eine Verteidigung vorzubereiten und vorzutragen.« Brière werde dagegen in Berufung gehen.

Pariser Außenministerium nennt Urteil »inakzeptabel«

Die Familie appelliere an die französischen Behörden, sich für eine Rückführung Brières nach Frankreich einzusetzen. Das Außenministerium in Paris bezeichnete die Verurteilung, »die sich durch nichts begründen lässt«, als »inakzeptabel«. Frankreich hatte Teheran in der Vergangenheit bereits gewarnt, dass der Umgang mit inhaftierten französischen Staatsbürgern die Beziehungen zwischen beiden Staaten verschlechtern könnte.

Der 36-Jährige war nach Angaben seiner Familie im Frühjahr 2020 als Tourist mit einem umgebauten Camper-Van in Iran unterwegs, als ihm das »Fotografieren verbotener Gebiete« zum Vorwurf gemacht wurde. Er habe mit einer Drohne Aufnahmen in einem Naturschutzpark gemacht. Brière wird im Wakilabad-Gefängnis in Maschhad im Nordosten Irans festgehalten.

Die Schwester des Inhaftierten, Blandine Brière, bezeichnete ihren Bruder als »politische Geisel«. »Es ist klar, dass dies ein politischer Prozess ist, der für den Iran nützlich ist und eine Botschaft an die französische Regierung sendet«, sagte sie.

Ende Dezember hatte Blandine Brière mitgeteilt, ihr Bruder sei in den Hungerstreik getreten, um gegen die Haftbedingungen zu protestieren. Anwalt Valent zeigte sich am Dienstag alarmiert über den schlechten Gesundheitszustand seines Mandanten.

In Iran werden mehr als ein Dutzend westliche Staatsbürger festgehalten. Die meisten von ihnen verfügen über eine doppelte Staatsbürgerschaft. Anfang Januar hatte Iran etwa erneut die französisch-iranische Akademikerin Fariba Adelkhah inhaftiert, die 2020 zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Frankreich verlangte ihre sofortige Freilassung.

In den vergangenen Jahren hat Iran mehrfach Häftlinge mit anderen Staaten ausgetauscht. Brière ist der einzige bekannte westliche Häftling, der in Iran einsitzt und keinen iranischen Pass hat.

apr/AFP/Reuters
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