Schadensersatz Verbraucherschützer verklagen Österreich nach Corona-Ausbruch in Ischgl

Der österreichische Verbraucherschutzverein hat nach dem Corona-Ausbruch im Skiort Ischgl vier Klagen eingereicht. Die Prozesse sollen zunächst als Muster dienen, es geht um bis zu 100.000 Euro pro Fall.
Österreichischer Skiort Ischgl: Vier Klagen nach Corona-Ausbruch im März eingereicht

Österreichischer Skiort Ischgl: Vier Klagen nach Corona-Ausbruch im März eingereicht

Foto: LISI NIESNER / REUTERS

Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz klagen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus im Tiroler Skiort Ischgl auf Schadensersatz. Der österreichische Verbraucherschutzverein (VSV) hat beim Landesgericht Wien erste Zivilklagen gegen die Republik Österreich eingebracht, teilte die private Organisation mit.

Es handele sich dabei um erste Musterprozesse, nicht um eine Sammelklage. Die Klagen seien im Namen von Einzelpersonen erfolgt. Insgesamt hätten sich bei dem Verein mehr als 6000 Tirol-Urlauber aus 45 Ländern gemeldet, rund 80 Prozent von ihnen waren nach ihrer Rückkehr aus Ischgl positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Nach den Musterklagen könnten weitere Verfahren folgen, etwa Tausend Personen wollten sich vom VSV juristisch vertreten lassen.

Laut Angaben des Anwalts Alexander Klauser, der den VSV vertritt, sollen über die eingereichten Musterfälle rasche juristische Erfolge erzielt werden. In einem Fall sei ein Betroffener an Covid-19 gestorben, seine Hinterbliebenen hätten Klage eingereicht. Bei zwei weiteren Fällen aus Deutschland sei die Erkrankung so schwer verlaufen, dass die Patienten noch immer in Behandlung seien, in vierten Fall sei die Person nach einer Corona-Infektion in Ischgl zwar wieder genesen, müsse jedoch mit Spätfolgen rechnen.

Die Schmerzensgeldansprüche belaufen sich laut Klauser in einem Fall auf 100.000, in einem anderen auf 45.000 Euro. Außerdem soll die Haftung für Folgeschäden geklärt werden, woraus weitere finanzielle Ansprüche entstehen können.

Nach der Verhandlung der vier Musterfälle würden weitere Klagen folgen, sagte VSV-Obmann Peter Kolba. Der Verbraucherschutzverein will im nächsten Schritt im kommenden Jahr versuchen, eine oder mehrere große Sammelklagen zu organisieren. "Doch bis solche Sammelklagen mit Urteilen enden, vergehen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte", sagte Kolba.

Anwalt appelliert an österreichische Regierung

An die österreichische Regierung um Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) appellierte Kolba laut dem ORF, für eine zeitnahe Aufarbeitung zu sorgen. "Man möchte nicht zehn Jahre lang aufarbeiten", sagte der Obmann.

Der Corona-Ausbruch in Ischgl, das auch "Ibiza der Alpen" genannt wird, galt als Hotspot des Landes und trug zur Verbreitung des Virus in ganz Europa bei. Vor allem in überfüllten Après-Ski-Bars dürfte das Virus den idealen Nährboden für eine Verbreitung gefunden haben.

Der erste Fall in Ischgl wurde am 7. März entdeckt, Tage nachdem bereits Island gewarnt hatte, dass sich Urlauber dort infiziert hätten. Die ersten Fälle in Österreich wurden Ende Februar gemeldet. Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte schließlich am 13. März eine sofortige Quarantäne für Ischgl und das umliegende Paznauntal an. Touristen durften allerdings aus den Urlaubsorten abreisen, was heftig umstritten war, weil sich das Virus damit weiter ausbreiten konnte. Der VSV wirft den lokalen Behörden vor, zu langsam und unzureichend auf den Ausbruch reagiert zu haben.

Ischgl bereitet sich auf kommende Saison vor

Unterdessen trifft Ischgl Maßnahmen gegen eine abermalige Virusverbreitung in der Wintersaison. So sollen alle Tourismusmitarbeiter mit einem negativen Corona-Test anreisen oder vor Ort getestet werden. Während der Saison würden den Mitarbeitern dann laufend Testmöglichkeiten angeboten.

Darüber hinaus soll das Abwasser auf der Suche nach dem Virus analysiert werden. Die Seilbahnkabinen sollen laufend mittels Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert werden. Dieselbe Methode wird auch in den Skibussen sowie in Sportshops, Skidepots, WC-Anlagen, Aufzugskabinen und den Erste-Hilfe-Stationen täglich angewendet. Après-Ski-Partys soll es in der bisherigen Form allerdings nicht mehr geben.

fek/dpa/Reuters/AP
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