Anhänger des »Islamischen Staats« Lebenslange Haft in Frankfurter Prozess um verdurstetes jesidisches Mädchen

Das Frankfurter Oberlandesgericht hat einen Anhänger der IS-Miliz wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Fall ist historisch.
Der Angeklagte Taha A. am Morgen der Urteilsverkündung

Der Angeklagte Taha A. am Morgen der Urteilsverkündung

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat einen Anhänger der IS-Miliz unter anderem wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Todesfolge zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Mann hatte 2015 im damaligen Herrschaftsgebiet des »Islamischen Staats« im Irak ein fünf Jahre altes jesidisches Mädchen bei bis zu 50 Grad in der Sonne angebunden und dort verdursten lassen.

Erstes Mal, dass der Völkermord an den Jesiden durch den IS verhandelt wurde

Der Fall ist historisch: Es ist weltweit der erste, der den Völkermord an den Jesiden durch den IS verhandelt. Der Verurteilte, Taha A., 29, ist Iraker und hatte sich 2013 der IS-Miliz angeschlossen. Er hatte das Mädchen und Nora T. im Sommer 2015 versklavt und mehrfach erniedrigt und misshandelt. T. hatte überlebt und war als Nebenklägerin in dem Fall aufgetreten. Ihr wurde durch das Urteil zugleich ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro zugesprochen.

Den IS-Terroristen gelten Jesidinnen und Jesiden als Ungläubige. Im August 2014 soll das Kind mit seiner Mutter, Nora T., bei einer gezielten Aktion des IS in der Region Sindschar gefangen genommen worden sein. Laut der Anklage kam es damals zu Massentötungen von Jesiden, zu Versklavungen, Folter und sexualisierter Gewalt. Als Sklavin wurde die Mutter des Kindes in der Folge von einem Mann zum nächsten verkauft. Sie wurde vergewaltigt, geschlagen, ausgebeutet. Dann wurde sie an Taha A verkauft.

A. sackte während der Vorbemerkung zur Urteilsverkündung in sich zusammen. Die Verkündung wurde unterbrochen, ein Krankenwagen wurde gerufen. Später kam A. wieder zu sich. A. ist der Ehemann der deutschen IS-Anhängerin Jennifer W. Sie wurde im Oktober zu zehn Jahren Haft verurteilt, unter anderem auch wegen des Todes des Kindes. Sie war damals auch im Haus, als das Kind starb.

has/AFP