Istanbul Erstochener Deutscher war flüchtiger Sträfling

Erstaunliche Wende im Fall des in Istanbul getöteten Deutschen Gregor K.: Der 41-Jährige war ein geflohener Gefangener aus der Justizvollzugsanstalt Münster, wie nun bekannt wird. Nach offiziellen Angaben brach er im Juni 2008 aus und tauchte unter.


Münster - Das Opfer Gregor K. stammt aus dem münsterländischen Billerbeck, wie ein Sprecher der Münsteraner Staatsanwaltschaft mitteilte. Der 41-Jährige sei beruflich in der türkischen Metropole unterwegs gewesen, hatte seine Geschäftspartnerin der türkischen Zeitung "Vatan" gesagt. Die Bluttat war nach einem Streit auf einer beliebten Einkaufsstraße geschehen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte K. wegen Betrugs und Untreue zwei bis drei Jahre absitzen sollen, von denen bis zum Zeitpunkt seines Verschwindens nur wenige Wochen vergangen waren. Wie er geflohen war, lasse sich aufgrund der Akten nicht nachvollziehen. "Es war unspektakulär", sagte der Sprecher.

"Vatan" schrieb am Dienstag unter der Überschrift "Wir sind sehr traurig", dass der Deutsche zuerst um Geld angebettelt worden sei. Der Bettler habe auf Türkisch gefleht: "Ich habe Hunger! Gib mir irgendetwas! Gib mir wenigstens eine Lira!" Das entspricht 47 Euro-Cent. Daraufhin soll der Deutsche eine abwehrende Geste gemacht haben. Da stach der Bettler angeblich mit einem Brotmesser zu.

Der 26-Jährige leide unter psychischen Störungen und sei vorher bereits in Behandlung gewesen, heißt es in türkischen Medien. Sein Opfer starb in einem nahen Krankenhaus an den schweren Verletzungen.

Die deutschen Behörden seien in engem Kontakt mit den türkischen Ermittlern, um den Fall aufzuklären, berichtete ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Sicherheitskameras hatten die Tat aufgezeichnet, weil sich das Geschehen vor einem Regierungsgebäude abgespielt hatte.

Die Staatsanwaltschaft Münster leitete ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren ein. Mit diesem Verfahren wird eine Anlaufstelle geschaffen, wenn Deutsche im Ausland getötet werden.

jdl/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.